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Neuss: Holzstelen für Europa

Neuss : Holzstelen für Europa

Das umfangreiche "Ulysses"-Projekt hat der Neusser Künstler Viktor Nono abgeschlossen. Allerdings steht zurzeit noch nicht fest, wann und wo das über 400 Blätter umfassende Kunstwerk gezeigt werden kann.

Das umfangreiche "Ulysses"-Projekt hat der Neusser Künstler Viktor Nono abgeschlossen. Allerdings steht zurzeit noch nicht fest, wann und wo das über 400 Blätter umfassende Kunstwerk gezeigt werden kann.

Das Projekt ist abgeschlossen, aber aus der avisierten Ausstellung wird vorerst nichts. James Joyce Mammutwerk "Ulysses" hatte sich der Neusser Künstler Viktor Nono vorgenommen, Blatt um Blatt des über 800 Seiten starken Buches mit den eigenen gemalten Gedanken und Assoziationen versehen (die NGZ berichtete), was im Internet auf seiner Homepage nachzuverfolgen war und zum ersten Mal en bloc in einer Galerie in Mönchengladbach gezeigt werden sollte. Die aber hat ihren Besitzer gewechselt, so dass aus diesem Plan nichts wird. "Aber ich bemühe mich um Ersatz und bin bereits mit Kunstvereinen im Gespräch", erzählt der Künstler, der nur zu genau um das größte Hindernis weiß: "Allein die Rahmen für die über 400 Blätter kosten 10 000 Euro."

Nichtsdestoweniger ist er bereit, die Blätter auch einzeln oder in kleinen Gruppen zu verkaufen. "Mit der Einwilligung, sie als Leihgaben für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen", stellt er jedoch klar; denn von der Idee einer Präsentation des Gesamtwerks, das zu seinem Projekt "Villa Unica" gehört und die Bibliothek darin symbolisiert, wird er nicht lassen. So steht auch schon fest, dass bei der Eröffnung einer solchen ein einstündiges Musikwerk für vier Instrumente des Meerbuscher Musikers Norbert Laufer aufgeführt wird.

Vorerst aber bleibt Nonos erweiterte Version des "Ulysses" in der Schublade, doch scheint das den umtriebigen Künstler nicht weiter anzufechten. Allein die Arbeit als solche betrachtet er schon als Gewinn: "Das Schöne daran war, dass ich das Lesen mit meiner Arbeit verbinden konnte." Zudem habe er über seine Homepage viel Resonanz bekommen. "Offensichtlich haben einige Menschen über meine Interpretationen zu dem Roman gefunden", sagt er. Er selbst weiß dabei nur zu genau: "Die ersten 300 Seiten gehen, danach wird's mühselig."

Aber Nono arbeitet sowieso immer mehrgleisig — "manchmal habe ich das Gefühl, ich übertreibe ein bisschen", sagt er selbst. Da sind schließlich noch die anderen Räume seiner "Villa Unica" zu füllen — wie mit einem Film, der auch fast fertig ist, und parallel zu "Ulysses" hat er auch an seinen Holzskulpturen gearbeitet. "Kräfte zehrend", wie er lachend sagt, denn die Arbeit mit Säge und Meißel an den 4,20 Meter hohen Eichenstämmen war anstrengend und Schweiß treibend. Noch liegen sie vor seinem Atelier in der Nordstadt, aber drei von ihnen werden in den nächsten Wochen in Wegberg aufgestellt. Der Weg dorthin war indes mit Problemen gespickt: "Ich wusste nicht, wie viele Genehmigungen eingeholt werden müssen, bevor so ein Kunstwerk steht." Dabei möchte er seine Holzstelen am liebsten auf ganz Europa verteilen.

(RP)