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Neuss: Hoisten ohne Brudermeister

Neuss : Hoisten ohne Brudermeister

Die St. Hubertus Schützenbruderschaft Hoisten hat ihren Brudermeister Roland Wierig nicht im Amt bestätigt. Turnusgemäß hätte die Wiederwahl angestanden – doch die Kandidatur scheiterte. Der Grund: Knatsch im Vorstand.

Die St. Hubertus Schützenbruderschaft Hoisten hat ihren Brudermeister Roland Wierig nicht im Amt bestätigt. Turnusgemäß hätte die Wiederwahl angestanden — doch die Kandidatur scheiterte. Der Grund: Knatsch im Vorstand.

Seit vier Jahren ist Roland Wierig Brudermeister in Hoisten, ein Vereinsmensch durch und durch, einer, den jeder kennt im Ort. Das höchste Amt in der Schützenbruderschaft musste er nun jedoch aufgeben — denn die turnusmäßige Wahl auf der Jahreshauptversammlung des 400-Mitglieder zählenden Vereins am Wochenende hat er verloren, mit 33 Ja-Stimmen, 67 Nein-Stimmen und 20 Enthaltungen. Damit hat Wierig seine Aufgabe als Brudermeister nur eine Amtszeit lang wahrnehmen können — zum Vergleich: Vorgänger Heinz Welter, heute Ehrenbrudermeister, war 16 Jahre im Amt bevor er aus Altersgründen auf seine Neuwahl verzichtete.

Hauptgrund für die gescheiterte Wiederwahl Wierigs sind Unstimmigkeiten im Vorstand — vor allem zwischen Wierig und Generaloberst Leo Dahlheim. "Ich habe klar gesagt, wenn Wierig wiedergewählt wird, gebe ich meine Ämter zur Generalversammlung im September ab", sagt Dahlheim auf Anfrage der NGZ. Konkrete Gründe will er nicht nennen, nur dass "an der Entscheidung "nichts zu rütteln sei" und der Vorstand seine Vorgehensweise unterstützt habe.

Auf der Jahreshauptversammlung ging es wegen der Ansage des Oberst drunter und drüber: Nachdem Wierig nämlich erklärt hatte, nicht mehr zur Wiederwahl antreten zu wollen, fehlten geeignete Kandidaten — diejenigen, die von der Versammlung vorgeschlagen wurden, lehnten dankend ab. Wierig nahm dann doch einen Wahl-Anlauf — und scheiterte an den besagten 67 Gegenstimmen.

Die Schützenbrüder versuchen derweil, die Wogen zu glätten: Achim Schiffer, bislang Stellvertretender Brudermeister, hat Wierigs Aufgaben kommissarisch übernommen. Als Brudermeister stehe er jedoch nicht zur Verfügung: "Ich bleibe Stellvertreter", betont Schiffer. Bis zur nächsten Versammlung im Mai soll ein geeigneter Nachfolger gefunden werden. Roland Wierig will Vereinsmitglied bleiben. Über die fehlende Mehrheit sei er nicht verärgert, aber traurig: "Ich habe das mit Leib und Seele gemacht", sagt der 49-Jährige, der sich zugute hält, die Kassenlage der Bruderschaft verbessert und den Verein verjüngt zu haben.

Für den Vorstand der Hoistener Schützenbruderschaft wird die Kandidatensuche eine Herausforderung sein, denn das Amt des Brudermeisters ist zeitaufwendig. Gerade die Tatsache, dass Wierig wegen seiner Selbstständigkeit nicht jeden Termin habe wahrnehmen können, habe zu Streitigkeiten geführt. Den Konflikt zwischen Wierig und Dahlheim beschreibt ein Vereinsmitglied so: "Da sind zwei Sturköpfe aufeinandergeprallt."

(NGZ/rl)