Neuss: Hohlbeins Erbin

Neuss: Hohlbeins Erbin

Rebecca Hohlbein will mehr sein als die Tochter eines berühmten Schriftstellers. Ihr Traum, selbst Autorin zu werden, hat sich erfüllt. Heute schreibt sie Fantasybücher, die ganz anders sind als die Werke ihres Vaters Wolfgang Hohlbein.

Dass das Leben ein Abenteuer ist, wusste Rebecca Hohlbein schon als Jugendliche. Statt zur Schule zu gehen, trampte sie lieber in ferne Länder, wollte sich nicht anpassen, nicht hineinfinden in die Regeln des Alltags. Von vielen Schulen sei sie damals geflogen, erzählt die heute 33-Jährige und wirkt dabei eher schüchtern als wild. Gedankenverloren streicht sie über ihren Arm, wo ein durch die Haut gestochenes Piercing an rebellische Tage erinnert. Die waren früh vorbei, denn mit 17 Jahren wurde sie schwanger. "Da habe ich begriffen, dass ich nun Vorbild sein muss", erinnert sich Rebecca Hohlbein. Sie bekam das Kind, holte ihr Fachabitur nach. Und nahm nun das ernster, was bisher nur Hobby gewesen war: das Schreiben. Das Interesse daran kam nicht von ungefähr — Rebeccas Vater ist der Neusser Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein.

Von dem berühmten Namen wollte die Tochter anfangs nicht profitieren. Sie schrieb lieber unter Pseudonym, zunächst Filmbücher, dann Romane. "Auch, weil mir der Erwartungsdruck zu hoch war", erzählt Rebecca Hohlbein. Zwar ist Fantasy auch ihr Steckenpferd, "aber ich habe eine ganz andere Art zu schreiben als mein Vater", sagt sie.

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Als diese Art bei den Verlagen ankam, machte sie weiter. Unter ihrem wahren Namen veröffentlichte Hohlbein allein und gemeinsam mit ihrem Vater mehrere Bücher. Ihr bislang größter Erfolg ist der Roman "Himmelwärts", der im vergangenen Oktober auf den Markt kam. Das Buch über das Vampirmädchen Tabea und den gefallenen Engel Alvaro ist skurril und mit viel Wortwitz verfasst. "Ich will Fantasy mit einem Augenzwinkern behandeln", sagt Hohlbein. Ganz andere Themen angehen als ihr Vater möchte sie aber nicht: "Das Genre bietet absolute Freiheit", sagt die Autorin. "Unvorstellbare Dinge können passieren, all meine vielen Ideen kann ich verwerten." Und davon hat sie viele: In "Himmelwärts" kommt die russische Mafia ebenso vor wie finstere Dämonen und die Reinkarnation einer Schildkröte. Und genauso schräg soll es weitergehen: Im kommenden Frühjahr, zur Leipziger Buchmesse, wird das nächste Hohlbein-Werk erscheinen. Der Verlag verlangt jedoch Stillschweigen über das Projekt. Nur dass Gespenster und jede Menge Sprengstoff in dem neuen Buch vorkommen, dürfe sie verraten, erzählt Rebecca Hohlbein, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Hoisten lebt und immer an verschiedenen Projekten arbeitet. Immer noch habe sie den Drang, Neues zu entdecken, ständig wechsele sie die Hobbys. "Da bin ich genauso rastlos wie früher", sagt Rebecca Hohlbein. Und auch beim Schreiben ist sie wandelbar. Nicht nur Bücher hat sie schon verfasst, sondern auch Musicals konzipiert und Songs geschrieben. Diese Abwechslung ist es, die ihr Leben auch im Alltag so spannend macht, wie sie es sich als Jugendliche gewünscht hat — als Abenteuer.

(NGZ)
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