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Rhein-Kreis Neuss: Höffner und Zalando treiben Arbeitsmarkt an

Rhein-Kreis Neuss : Höffner und Zalando treiben Arbeitsmarkt an

Die Zahl der Menschen ohne Job im Rhein-Kreis ist gegen den Trend gesunken. Größtes Problem bleibt die hohe Zahl Langzeitarbeitsloser.

Zwei Unternehmen haben vielen Menschen im Rhein-Kreis einen neuen Job gebracht und so dafür gesorgt, dass die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresende zurückgegangen ist. Im Dezember 2014 waren im Rhein-Kreis 14 070 Menschen arbeitslos, knapp 100 weniger als im November (minus 0,6 Prozent). Das teilte die zuständige Agentur für Arbeit in Mönchengladbach mit. Im Vergleich zum Dezember 2013 sank die Zahl der Menschen ohne Job kreisweit sogar um 723 - Rückgang um 4,9 Prozentpunkte. Auch die Arbeitslosenquote ging im Jahresvergleich um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent zurück.

Damit entwickelte sich der Arbeitsmarkt im Rhein-Kreis deutlich besser als in Bund und Land, wo die Arbeitslosenquoten wie im Winter auch üblich leicht gestiegen sind. "Das Jahresende hat sich bei uns sehr gut entwickelt. Der Arbeitsmarkt war im gesamten Jahr sehr dynamisch", sagte Angela Schoofs, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur. Das heißt: Es gab viel Bewegung.

Der Rhein-Kreis verdankt den Rückgang zum Jahresende vor allem dem Einrichtungshaus Höffner und dem Online-Händler Zalando. Das Möbelhaus stellte insgesamt 256 Menschen aus der Arbeitslosigkeit ein. 125 davon kamen aus dem Rhein-Kreis, davon 62 aus der Stadt Neuss, 19 aus Grevenbroich, 14 aus Kaarst, elf aus Korschenbroich, zehn aus Dormagen, sechs aus Jüchen und drei aus Meerbusch. Noch mehr Menschen aus dem Kreis stellte Zalando in seinem Versandlager im Regiopark an der Schnittstelle zwischen Jüchen und Mönchengladbach ein: Insgesamt 238 Arbeitslose aus dem Kreis erhielten dort 2014 eine Stelle.

Allein diese beiden Arbeitgeber stellten 363 Menschen aus dem Rhein-Kreis ein, 205 davon waren vorher Empfänger von Hartz IV (Arbeitslosengeld II), also Langzeitarbeitslose. "Zalando ist ein Glücksfall, weil es viele Beschäftigungsmöglichkeiten für Geringqualifizierte gibt", sagte Wolfgang Draeger von der Geschäftsführung der Arbeitsagentur. "Höffner ist ein Gewinn für den Arbeitsmarkt, weil dort der Großteil der Beschäftigten im qualifizierten Bereich tätig ist." Einrichtungsberater, Möbelverkäufer oder auch Küchenplaner hätten vorab von der Arbeitsagentur qualifiziert werden müssen, zum Beispiel im Umgang mit Computer-Software. 135 der 256 an Höffner vermittelten Arbeitslosen sind auf diese Weise vorab gefördert worden.

Höffner und Zalando gelten allerdings als "Sondereffekte". Dennoch erhofft sich die Arbeitsagentur davon in diesem Jahr ein Signal an die Wirtschaft. "Wir haben viel Potenzial an Menschen, die Mitarbeiter in Unternehmen werden können", sagte Agenturbezirks-Chefin Angela Schoofs. Größtes Problem für das Jahr 2015 sind die Langzeitarbeitslosen. 9500 Menschen im Rhein-Kreis sind länger als ein Jahr ohne Job und damit Hartz IV-Empfänger. Das sind zwei Drittel aller Arbeitslosen. "Das ist eine Riesenbaustelle", sagt Schoofs. Durch Ausbildung und Qualifizierung sollen die Langzeitarbeitslosen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Dass der flächendeckende Mindestlohn (8,50 Euro pro Stunde) Stellen für Geringqualifizierte kosten könnte, glaubt Schoofs entgegen vieler Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände nicht: "Wir werden keine großen Effekte haben."

(NGZ)