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Neuss: Hochwasser steigt weiter an

Neuss : Hochwasser steigt weiter an

Der Rheinpegel wird an diesem Wochenende einen neuen Höchststand erreichen, vier Wege hat die Stadt bereits abgesperrt. Langfristig gibt es aber Entwarnung.

Spaziergänger, die an diesem Wochenende rund um den Sporthafen unterwegs sind, müssen aufpassen, dass sie dabei keine nassen Füße bekommen: Der Wanderweg direkt am Wasser ist überspült, die Wiesen abseits davon sowieso. Selbst in die angrenzenden Gärten hat es der Rhein dort schon geschafft. Laut dem Hochwassermeldezentrum Rhein wird der Pegel des Flusses in den kommenden Tagen weiter steigen.

Das Tiefbauamt ist mit einem Notdienst im Einsatz. Vier Wege auf dem Gebiet der Stadt sind bereits abgesperrt worden. Neben den Absperrungen am Sporthafen gibt es Warnschilder an der benachbarten Straße Am Röttgen sowie in Uedesheim und der Ölgangsinsel.

"Bislang beschränken sich die Maßnahmen auf das Deichvorland", erläutert Tiefbauamtsleiter Gerd Eckers, dessen Mitarbeiter trotz des vom Rathaus verhängten Zwangsurlaubs das Hochwasser ständig im Blick behalten. Derzeit sei die Situation nicht dramatisch, beruhigt Eckers, der allerdings den Rheinpegel weiter beobachtet. "Hochwasser kann sprunghaft ansteigen", sagt der Experte.

Der Neusser Pegel des Rheins orientiert sich an Messungen aus Düsseldorf. Denn die Quirinusstadt hat keinen eigenen amtlichen Pegel. In der Landeshauptstadt lag der Rheinpegel am Freitag bei knapp sieben Metern. "Für Neuss kann man immer gut 80 Zentimeter dazu geben", sagt Eckers, der auch die langfristige Entwicklung des Hochwassers erfasst. Denn das Hochwasser kommt in so genannten Wellen, es nimmt zu und wieder ab. Laut Hochwassermeldezentrum steht der Rhein an diesem Wochenende vor einer dritten Welle, der Pegel wird wieder ansteigen, in Neuss auf eine Marke von über acht Metern.

Möglichkeiten, einmal das Hochwasser anzuschauen, gibt es in Neuss einige — auch ohne nasse Füße zu bekommen. Etwa in Uedesheim, wo Spaziergänger vom Deich aus einen guten Blick auf die Wassermassen haben, die auf den Rheinwiesen die Bäume umspülen. Dort lässt sich auch beobachten, wie viel Treibgut der Rhein an solchen Hochwassertagen mit sich reißt, das sich nun in allem verfängt, was dem Strom entgegensteht, etwa an rot-weißen Pöllern, die an normalen Tagen den Weg zu den Wiesen weisen und nun, umspült vom Wasser, Barrieren bilden für Gehölz und Unrat.

"Dass eine dritte Hochwasserwelle entsteht, ist durchaus ungewöhnlich", sagt Tiefbauamtsleiter Eckers. Um die Lage abzuschätzen, orientiert er sich an den Wasserständen am Mittelrheintal sowie am Pegel der Mosel bei Cochem. Von dort aus werde aber schon Entwarnung gegeben, berichtet Eckers. So wird der Rheinpegel an diesem Wochenende voraussichtlich seinen vorläufigen Höchststand erreichen, und das Wasser danach wieder langsam zurückgehen.

Zuletzt hatte es in Neuss vor zwei Jahren ein großes Hochwasser gegeben, damals stieg der Rheinpegel auf über neun Meter an. Kritischer Wasserstand ist in Neuss die Marke 9,60 Meter — dann wird die Schifffahrt eingestellt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neuss: Bilder vom Hochwasser 2012

(NGZ/ac/url)