Neusser Stadtrat entscheidet Liste der Ehrenbürger soll bereinigt werden

Neuss · Im April 1933 wurde Reichspräsident Paul von Hindenburg Ehrenbürger der Stadt Neuss. Diese Ehrung sei aus ausschließlich propagandistischen Gründen von der NSDAP betrieben worden, urteilt Bürgermeister Reiner Breuer fast 90 Jahre später. Weil offiziell nie ein Schlussstrich gezogen wurde, soll das nun im Rat geschehen. Einfach ist das nicht.

 Die Erhebung Paul von Hindenburgs im April 1933 ist 90 Jahre später wieder ein Politikum. Der Rat muss nun entscheiden, wie er damit umgehen will.

Die Erhebung Paul von Hindenburgs im April 1933 ist 90 Jahre später wieder ein Politikum. Der Rat muss nun entscheiden, wie er damit umgehen will.

Foto: dpa

Bürgermeister Reiner Breuer hat die feste Absicht erklärt, die Liste der Neusser Ehrenbürger „zu bereinigen“. Noch bevor die Fraktion „Die Partei/Die Linke“ einen Antrag ankündigte, Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerrechte abzuerkennen, habe er das Stadtarchiv um eine Sachverhaltsaufarbeitung gebeten und im Bürgermeisteramt den Entwurf für einen Beschluss in Auftrag gegeben, über den der Rat in seiner Sitzung am 16. Dezember beschließen kann.

So ganz einfach ist das nicht, denn faktisch erlischt die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod des Geehrten, andererseits aber möchte die Stadt auch künftig das Andenken an Ehrenbürger wie Josef Kardinal Frings pflegen, den aus Neuss stammenden Kölner Erzbischof der Jahre 1942 bis 1969. Man werde aber durch einen Ratsbeschluss deutlich machen, sagt Breuer, der sich dazu vergangenen Donnerstag mit den Vorsitzenden aller Ratsfraktionen abstimmte, dass der letzte Reichspräsident der Weimarer Republik „kein Ehrenbürger ist“ und seine Ernennung im April 1933 „rechtsmissbräuchlich“ erfolgte.

Diese habe nur propagandistischen Zwecken der NSDAP gedient. „Wir erkennen das nicht an, sondern missbilligen es“, sagt Breuer. In gleicher Sitzung und – das war allen wichtig – deutlich voneinander getrennt soll im nicht-öffentlichen Teil über den Vorschlag von CDU und SPD entschieden, der Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süssmuth die Ehrenbürgerwürde anzutragen.

(-nau)
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