Neusser Bündnis Hilfsgütertransport bringt auch Leichensäcke in die Türkei

Neuss · Das „Neusser Bündnis“ wurde als Hilfnetzwerk für Erdbebenopfer in der Türkei und Syrien gegründet. Die gesammelten Sachspenden sind nun auf dem Weg in die Krisenregion.

 Am Freitag beluden Helfer den ersten Hilfstransport des „Neusser Bündnisses“. Der startete am Abend Richtung Türkei.

Am Freitag beluden Helfer den ersten Hilfstransport des „Neusser Bündnisses“. Der startete am Abend Richtung Türkei.

Foto: Neusser Bündnis

Der Hilfstransport rollt: Eine Woche lang hat ein „Neusser Bündnis“ Sachspenden für die Menschen in der Erdbebenregion gesammelt – und am Freitag verladen. Hygieneartikel, Bekleidung, Ausrüstung für den Winter und Lebensmittel sind an Bord – aber auch 100 Leichensäcke. Auch an ihnen herrscht Mangel in der Türkei und Syrien, berichtet Hakan Temel, der als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees den Anstoß zur Sammlung und zum Bündnis gab.

Ziel des Transportes ist die Partnerstadt Nevsehir in Kappadokien. Sie liegt weitab von der Krisenregion, aber was heißt das schon. „15.000 Menschen aus dem Erdbebengebiet hat Nevsehir schon untergebracht“, berichtet Temel. „Tendenz steigend“. Ein Teil der Hilfslieferung soll diesen wohnungs- und heimatlos gewordenen Menschen zur Verfügung gestellt werden, der Rest wird zunächst in Nevsehir eingelagert und von dort aus sukzessive weitergegeben. Die Rettungsdienste vor Ort hätten darum gebeten, die Hilfsmittel nicht direkt in die Krisenregion zu bringen, weil es dort an Lagerkapazität mangelt.

Die Sachspenden konnte das „Neusser Bündnis“ um eingekaufte Waren ergänzen, die mit zweckgebundenen Spenden bezahlt wurden. Darüber hinaus gingen auf dem Spendenkonto „Türkei-Syrien-Soforthilfe“ inzwischen mehr als 40.000 Euro ein. Ein Teil dieses Geldes wird nach Angaben der Initiative an eine kirchliche Hilfsorganisation in Syrien überwiesen. Der Kontakt sei über einen Priester vor Ort zustande gekommen, sagt Temel, der bei der Vermittlung auch Oberpfarrer Andreas Süß um Hilfe bat. Ein anderer Teil des Betrages ist für den Bau von einfachen Unterkünften für Erdbebengeschädigte in der Stadt Hatay bestimmt. Dorthin kam der Kontakt über Nerman Ahrazoglu zustande, die im Neusser Integrationsrat wirkt. „Wir wollen nachhalten, was aus unserer Hilfe wird“, sagt Temel, der deshalb selbst in die Türkei reist. Die Geldsammlung geht weiter.

(-nau)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort