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Hilfe für Togo: Neusser Projekt „Efido“  für Umweltpreis nominiert

Neusserin hilft Frauen in Togo : Neusser Projekt „Efido“ für Umweltpreis nominiert

Seit 2009 leitet Chantal Kloecker mit ihrem Verein „Lernen-Helfen-Leben“ das Projekt „Efido“ im afrikanischen Togo. Das fand jetzt international Beachtung, wurde es doch für den „World Globe Energy Award“ nominiert.

Seit zwölf Jahren kämpft Chantal Kloecker für bessere Lebensbedingungen afrikanischer Frauen. Jetzt wurde ihr Projekt „Efido“ rund um den Bau von effizienteren Lehmkochern und die Pflanzung von so genannten Kopfbäumen zur Holzgewinnung  für den World Globe Energy Award nominiert. Zwar hat Chantal Kloecker bei dieser Auszeichnung der besten Umweltprojekte Anfang des Monats auf dem Welt-Klimagipfel nicht den ersten Preis gewonnen, aber sie ist trotzdem wahnsinnig stolz auf das, was sie und ihre Mitstreiter des deutschen Vereins „Lernen-Helfen-Leben“ (LHL) gemeinsam mit dem Verein ADICH aus Togo seit 2009 erreicht haben.

„Efido bedeutet ‚sich gegenseitig helfen‘“, erklärt die pensionierte Lehrerin. „Unser Ziel ist es die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung, insbesondere der Frauen, zu verbessern und sie zu motivieren, sich gegenseitig zu unterstützen.“

Am Düsseldorfer Lycee francais hatte die aus Frankreich stammende Neusserin das Hilfsprojekt 2009 ins Leben gerufen. Mit Schülern und Kollegen war sie damals in das arme Land in Westafrika gereist, um zu eruieren, wie Schüler dort am besten helfen können. „Wir waren schockiert – es fehlte den Menschen am Nötigsten; sauberem Wasser und Strom beispielsweise“, sagt sie. Und die Frauen seien diejenigen, die am meisten unter den schwierigen Bedingungen leiden. Gleichzeitig seien sie die „kräftigsten Motoren der Entwicklung.“

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Zunächst habe die Schule über den Verein LHL regelmäßig Geld nach Togo geschickt, um etwa einen Brunnen zu finanzieren. Seit mehreren Jahren jedoch habe sich die Art der Hilfe gewandelt, erklärt sie. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, motivieren die Menschen also die Projekte selbst in die Hand zu nehmen.“  Zweimal pro Jahr reist  Kloecker daher auf eigene Kosten in die Nähe von Atakpamé, der fünftgrößten Stadt Togos, macht sich vor Ort ein Bild von der aktuellen Lage und bespricht  mit den Menschen in 20 Dörfern nördlich der Stadt die nächsten Schritte.

„Efido“ besteht aus drei Säulen; zum einen lernen die Frauen in den Dörfern den Bau von sparsamen Lehmkochern, die weniger Brennholz benötigen und weniger giftiges Kohlenmonoxid produzieren. Zweitens motiviert Chantal Kloecker die Frauen, ihre Feuerstellen nicht nur für den Eigenbedarf bauen, sondern auch zu verkaufen – und dadurch Kleinunternehmerinnen zu werden. „Als dritte Säule haben wir mit einem Förster aus Göttingen und den Dorfbewohnern in einem Agrarzentrum Akazienbäume gepflanzt, die zu Kopfbäumen geschnitten werden, sodass sie schnell Brennholz liefern“, sagt die Neusserin. Holz sei in Togo ein knappes Gut und müsse aus dem Norden des Landes mehrere hundert Kilometer in die Dörfer gebracht werden. Im Mai 2020 wurden die ersten Bäume gepflanzt – jetzt liefern sie das erste Brennholz.

Seit zwei Jahren ist Chantal Kloecker wegen der Corona-Pandemie nicht mehr nach Togo gereist. Im März 2022 will sie sich endlich wieder vor Ort mit den Menschen austauschen. „Wenn die Menschen dort sehen: Es klappt, wie bei den Akazienbäumen, dann sind sie motiviert das Projekt selbst in die Hand zu nehmen. Das ist unser Ziel“, sagt die Französin, die aus Clermont-Ferrand stammt. Ihren Mann, einen Neusser, hat sie dort bei einem Austausch der Partneruniversität Köln kennengelernt und ist mit ihm ins Rheinland gezogen. „Es macht mich  stolz vor Ort zu sehen, wie alles langsam wächst“, erklärt sie ihr Engagement in Afrika.