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Rhein-Kreis Neuss: Hilfe für "Arbeiterkinder"

Rhein-Kreis Neuss : Hilfe für "Arbeiterkinder"

Cara Küffner arbeitet für die Initiative "Arbeiterkind". Vom Ruhrgebiet aus koordiniert sie das Projekt, mit dem Schüler zum Studium ermutigt werden. In Neuss hat die 35-Jährige Kaarsterin nun ihre eigene Ortsgruppe gegründet.

Das Gefühl, nach dem Abitur nicht so recht weiter zu wissen, weil die Eltern nicht studiert haben — Cara Küffner kennt das. Sie hat ihren Weg gemacht, hat einen Abschluss in Sozialpädagogik, arbeitete viele Jahre in der Kinder- und Jugendhilfe. "Dann wollte ich mich beruflich verändern", erzählt die 35-Jährige. Heute arbeitet die Kaarsterin für die vom Landeswissenschaftsministerium geförderte Initiative "Arbeiterkind", ein Projekt, das Schülern aus nicht-akademischen Familien Orientierung und Hilfe beim Studium bietet.

"Das passt zu meinem Werdegang", sagt Küffner, die von der Stadt Essen aus die Arbeit der Initiative in ganz NRW koordiniert. In Neuss hat sie eine eigene Ortsgruppe gegründet, um auch im Rhein-Kreis für Interessierte offen zu sein. Jeden letzten Dienstag im Monat findet ein Stammtisch der Arbeiterkind-Gruppe in der Musik-Kneipe "OkiDoki" statt.

"Die Stammtische machen einen Großteil der Arbeit aus", erläutert Küffner. Dort können Interessierte sich austauschen — sowohl Schüler, die Hilfe suchen als auch Ehrenamtler, die ihre Erfahrungen weitergeben. Denn "Arbeiterkind" ist vorrangig ein Mentorenprogramm — 5000 Menschen engagieren sich deutschlandweit für die Initiative, die mehrere Preise bekommen hat, etwa den Deutschen Engagementpreis oder die Auszeichnung als "Ort im Land der Ideen".

"Die Mentoren können dazu beitragen, dass der Übergang von der Schule ins Studium gelingt", sagt Cara Küffner. "Viele Kinder aus Arbeiterfamilien haben Berührungsängste mit einem Studium, und keinen Ansprechpartner, der ihnen weiterhilft", erzählt die Sozialpädagogin. Die Ehrenamtler, zu ihnen gehören Studenten genauso wie Berufserfahrene, helfen bei der Orientierung, aber auch beim Organisatorischen, etwa bei der Einschreibung oder der Fächerwahl. "Oft hilft es auch, wenn einfach mal der Campus gemeinsam besucht wird", sagt Küffner, die seit einem Jahr bei "Arbeiterkind" dabei ist.

In NRW koordiniert sie die Arbeit der Ortsgruppen, bietet Trainings für Mentoren an, organisiert Vorträge, stellt Kontakte zu Schulen her. Ihre Erfahrung: "Am besten ist es für die Schüler, einen Ansprechpartner direkt in der Nähe zu haben." Deswegen gründete sie die Neusser Ortsgruppe, die schon einige Kontakte geknüpft hat. Etwa zum Regionalzentrum Neuss der Universität Hagen oder zur Arbeitsagentur Mönchengladbach. "Wir wollen uns bekannt machen", sagt die 35-Jährige, die mit ihrer Initiative auch auf der Ausbildungsmesse des Rhein-Kreises "Beruf Konkret" vertreten sein wird, die im September stattfindet. Nach den Ferien will Küffner ihr Projekt in Schulen vorstellen, um Jugendliche auf "Arbeiterkind" aufmerksam zu machen. "Interessenten sind aber schon jetzt eingeladen, sich zu melden", sagt Küffner. "Etwa beim nächsten Stammtisch am Dienstag."

(NGZ/ac)