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Neuss: Herr über die Neusser Kunstsammlung

Neuss : Herr über die Neusser Kunstsammlung

Seit 2009 kümmert sich Frank Strobl um die städtische Kunstsammlung, die im Depot unter dem Rathaus lagert. Der 38-Jährige arbeitet ehrenamtlich für das Kulturamt, inventarisiert und pflegt den Bestand.

Das Depot für die Kunst der Stadt Neuss könnte kaum besser gesichert sein. Erst mal geht es in die Tiefen des Rathauses, ein Gittertor schottet einen kleinen Eingangsbereich ab, und erst nachdem auch die Eisentür geöffnet und wieder schwer ins Schloss gefallen ist, kommt man der Kunst wirklich nahe. Im Bunker unter dem Rathaus, dessen Flur mit weiß gekalkten Wänden und grau gestrichenen Türen eher den Eindruck eines Kellers in einem normalen Mietshaus vermittelt, ist ein Raum der städtischen Kunstsammlung vorbehalten, die rund 1500 Werke umfasst.

Der Herr der Schlüssel und Bestandslisten ist Frank Strobl (38). Seit 2009 verwaltet er die Sammlung, ist Ansprechpartner für jeden Rathaus-Mitarbeiter, der seine Bürowände gerne mit Originalbildern verändern möchte. Denn die städtische Kunstsammlung wird gewissermaßen in einer beweglichen Ausstellung gezeigt – in den Amtsstuben der Verwaltungsmitarbeiter. Rund 800 der 1500 Werke seien durchgängig unterwegs, sagt Strobl. Er könnte natürlich auch die genaue Zahl sagen, denn jedes ausgeliehene Bild wird von ihm erfasst, und regelmäßig bekommen die extra ernannten "Kunst-Verantwortlichen" in den Ämtern Listen, auf denen sie die Werke in ihren Räumen abhaken müssen. "So kontrollieren wir, ob die Kunst noch da ist, wo sie hängen sollte", sagt Strobl, der dabei selbst dem Kulturamt untersteht. Nicht als fester Mitarbeiter, sondern als Ehrenamtler.

Der aus Riesa stammende, seit 2001 in Neuss lebende Kunst-Verwalter ist von Hause aus eigentlich Lebensmittelwissenschaftler, hat sein Studium in Hamburg mit dem Master of Foodscience abgeschlossen, ist der Liebe wegen in Neuss gelandet und auch nach deren Ende geblieben, aber hat in seinem Fach bisher keinen Job gefunden. Nichtstun kam für ihn auch nicht in Frage, also hat er sich an die Freiwilligen-Zentrale gewandt und ist darüber zu seinem Job tief unten im Rathaus gekommen.

Mal seien es 20, mal fünf bis sechs Stunden, die er pro Woche bei der Kunst im Depot verbringt, sagt Strobl. Dort kuratiert er gerne auch seine persönliche kleine Ausstellung: Derzeit hängen an den wenigen freien Wandflächen Werke von Michael Kortländer, Marga Groove-Markowic oder Sabine Köberling. Viel Platz dafür gibt es nicht, denn die Wände sind zu mehr als zwei Drittel mit Regalen zugestellt, in deren Fächer die Bilder durchnummeriert und stehend gelagert sind. Aber auch Skulpturen gibt es, die stehen dazwischen oder auf dem Boden.

Längst nicht alle Bilder sind auch gerahmt. "Das ginge nur auf Verdacht", sagt Stroble, "ist aber gar nicht zu leisten." Allerdings werden die Bilder immer wieder auf ihren Zustand hin untersucht und im schlimmsten Fall auch in die Restauratorenwerkstatt gegeben. Eine Sorge indes löst sich künftig in Luft auf: "Bildern, in den Büros hingen, in denen bis vor kurzem geraucht werden durfte, sieht man das sofort an", sagt Strobl.

Die städtische Kunstsammlung ist und bleibt ständig in Bewegung. Nicht allein wegen der Ausleihen – "im Moment geht farbig, modern und abstrakt gut" – und neuer Schenkungen, sondern auch, weil immer mal wieder Kunst auftaucht, von deren Existenz niemand eine Ahnung hat. "Erst seit 1988 liegt die Verwaltung der Sammlung in einer Hand", sagt Strobl, der in seiner Zeit auch alles Vorhandende inventarisiert hat. Und trotzdem taucht immer mal wieder ein unbekanntes Bild auf, das über Jahre in einer Schule hing, oder es kommen Bilder zurück, weil Amtsräume aufgeben wurden. Nicht immer sind die Werke in einem Top-Zustand: "Wir haben auch schon Bilder mit hineingeschnittenen Löchern zurückbekommen", erzählt Strobl. Und er weiß auch von in den frühen Jahren ausgeliehener, heute verschwundener Kunst. "Dann gibt es schon schnell mal das Gerücht, dass die in einem Partykeller hängt."

(NGZ)