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Herbert Napp: Neusser Bürgermeister im Interview

Interview mit Herbert Napp : "CDU stellt ihren Bürgermeisterkandidaten zu früh auf"

Der Neusser Bürgermeister spricht über die Suche der Parteien nach seinem Nachfolger und einem grünen Beigeordneten.

Herr Bürgermeister, die Neusser schauen gespannt auf den heutigen Abend. Dann stellt die Christdemokraten ihren Bürgermeister-Kandidaten für die Wahl im kommenden Jahr auf. Sind Sie auch gespannt, wer sich durchsetzt?

Herbert Napp Natürlich. Aber ich sage auch ehrlich: Die Aufstellungsversammlung kommt viel zu früh. Es besteht kein Grund zur Eile. Die CDU hätte sich mehr Zeit lassen sollen - bis ins Frühjahr 2015 hinein.

Warum?

Napp Ab morgen steht unser Bürgermeister-Kandidat mutterseelenallein im Trommelfeuer der anderen Parteien, ohne dass er einen Gegenangriff starten kann. Es fehlt ja das Ziel, nämlich der Gegenkandidat. Es bestand keine Notwendigkeit, sich so frühzeitig zu entscheiden.

Werden Sie heute Abend die Aufstellungsversammlung der CDU besuchen?

 Bürgermeister Napp: "Die CDU hätte sich mehr Zeit lassen sollen."
Bürgermeister Napp: "Die CDU hätte sich mehr Zeit lassen sollen." Foto: Stadt

Napp Ich weiß es noch nicht. Ich bin eingeladen und soll am Präsidiumstisch Platz nehmen.

Wen werden Sie aus dem Kandidaten-Quartett bei der Wahl unterstützen?

Napp Das bewahre ich in meinem Herzen, auch wenn es mir schwer fällt, den Mund zu halten. Der Papst wählt ja seinen Nachfolger auch nicht. Der Papst hat allerdings die Möglichkeit, Einfluss auf die Zusammensetzung des Wahlgremiums zu nehmen. Diese Möglichkeit habe ich leider nicht.

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Wenn Sie schon nicht über den CDU-Kandidaten sprechen wollen, verraten Sie denn, wen Sie als Bewerber der Neusser SPD erwarten?

Napp Reiner Breuer wird aufgestellt. Er ist die einzige sozialdemokratische Figur, die in Neuss halbwegs bekannt ist. Er wird antreten, einen anderen Schluss lässt auch die auf Breuer zugeschnittene Werbung im Ratswahlkampf nicht zu.

Beobachter sehen Reiner Breuer mit guten Chancen, als erster Sozialdemokrat seit 1946 Bürgermeister der Stadt Neuss zu werden. Teilen Sie die Einschätzung?

Napp Die CDU ist gut beraten, Reiner Breuer ernst zu nehmen. Er kocht aber auch nur mit Wasser. Das hat seine deutliche Niederlage bei der Ratswahl in Derikum gegen Waltraud Beyen gezeigt. Überhaupt lehrt die Erfahrung, dass Reiner Breuer außerhalb seiner Partei wenig Zustimmung findet, ja sogar häufig auf Ablehnung stößt.

Ihr Beigeordneter Stefan Hahn besitzt gute Chancen, Oberbürgermeister-Kandidat der CDU in Bonn zu werden. Stört Sie, dass Neuss einen Spitzenbeamten verlieren könnte?

Napp Ich freue mich über diese ehrenvolle Berufung von Stefan Hahn, über die ich weit im Vorfeld informiert war. Er ist ein sympathischer Mensch und ein sachkundiger Verwaltungsfachmann, der im Neusser Rathaus erstklassige Arbeit leistet. Er besitzt Ausstrahlung. Er wäre mit Sicherheit ein guter Oberbürgermeister in Bonn - aber auch in jeder anderen Stadt. Außerdem hat er genau das richtige Alter.

Ist Stefan Hahn auch von der Neusser CDU gefragt worden?

Napp Das weiß ich nicht. Da müssen Sie Herrn Hahn und oder den Parteivorsitzenden fragen.

Werden die Grünen, die ja in Neuss eine Ratskoalition mit der CDU eingegangen sind, einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten aufstellen?

Napp Ja, wenn sie klug sind. Da die Neusser Grünen besonders klug sind, werden sie es tun. Es liegt doch auf der Hand: Wer keinen Kandidaten stellt, kommt im Wahlkampf nicht vor. Der kann auch nicht plakatieren. Selbstverständlich gibt es einen grünen Kandidaten.

Wird es denn auch einen grünen Beigeordneten geben?

Napp Die Grünen haben laut Koalitionsvertrag das Recht, einen Beigeordneten für den Umweltbereich vorzuschlagen. Ich halte es auch für richtig, dass Beigeordnete einer starken Rastfraktion zugeordnet werden können, damit die Kommunikation zwischen Verwaltung und Politik, also dem Stadtrat, auf einer vernünftigen Ebene läuft.

Das gilt dann aber doch auch für die SPD, die immerhin die zweitgrößte Fraktion im Rat der Stadt Neuss stellt, oder?

Napp Im Grundsatz ja. Es war auch lange Jahre geübte Praxis in Neuss. Leider war es gerade der SPD-Beigeordnete, der aus Altersgründen ausschied, als wir gezwungen waren, Sparmaßnahmen einzuleiten.

Trotz Haushaltsdefizit von 17 Millionen Euro schlagen Sie dem Rat keine Sparmaßnahmen vor...

Napp Der Haushalt, den Kämmerer Frank Gensler und ich eingebracht haben, ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Warum sollen wir Sparmaßnahmen vorschlagen, von denen wir wissen, dass sie vom Rat abgelehnt werden. Es ist doch Aufgabe der Politik, entweder das Defizit in Kauf zu nehmen oder vorzuschlagen, wo gespart werden soll.

Politik spart in einem Wahljahr immer besonders gern ...

Napp Eben. Bei einem Bilanzvolumen von 1,6 Milliarden Euro, davon 80 Prozent Eigenkapital, kann im Einzelfall ein Defizit verkraftet werden. Das muss aber einmalig bleiben und darf nicht zur Gewohnheit werden. Wenn wir Rücksicht auf die Bürgermeister-Wahl hätten nehmen wollen, hätten wir mit Finanztricks den Ausgleich versucht. Das haben wir eben nicht getan.

LUDGER BATEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Hier geht es zur Bilderstrecke: 68 Köpfe für Neuss – das ist der neue Stadtrat

(NGZ)