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Rocker in Neuss: "Hells Angels" wollen Bunker kaufen

Rocker in Neuss : "Hells Angels" wollen Bunker kaufen

Der Bund trennt sich von seinen Bunkern. Der am Berghäuschensweg steht zum Verkauf, der am Hauptbahnhof vor der Rückübertragung.

Die Anwohner am Berghäuschensweg im Augustinusviertel sind in Sorge. "Ihr" Hochbunker wird verkauft — und ausgerechnet der Rockerclub "Hells Angels" ist interessiert. "Die waren schon da und haben alles vermessen", berichtet Katharina Sturm, die seit 1954 gleich neben dem Bunker wohnt.

Ein Rechtsanwalt wurde eingeschaltet, und auch die Stadt ist alarmiert. Denn die "Bundesanstalt für Immobilienaufgaben", die das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg zu Geld machen soll, verkauft immer meistbietend. Also an den, wie es im Exposé heißt, der das wirtschaftlichste Angebot abgibt. Die Stadt arbeitet an einer Gegenstrategie. Welche Möglichkeiten bietet das Bauordnungsrecht, um einen Rockerclub-Treff im Bunker zu verhindern, ist ein Aspekt. Daneben, so berichtet Bürgermeister Herbert Napp werden die Frage eines Vorkaufsrechtes der Stadt und die Möglichkeit eines Eigenankaufs geprüft. Dienstag tagt dazu der Verwaltungsvorstand, die Bieterfrist läuft kommenden Freitag (4.) aus.

Der Bund gibt immer mehr seiner Bunker und Schutzräume auf. Das ist der Hintergrund für diesen Kehraus. Alleine in Neuss und Düsseldorf werden aktuell drei Schutzbauten angeboten, die längst keinen Schutz mehr bieten müssen. Zudem verhandelt die Stadt derzeit mit dem Bund über eine Aufhebungsvereinbarung, um den Hochbunker an der Adolf-Flecken-Straße aus städtischer Nutzung und Bewirtschaftung wieder in die Verfügungsgewalt des Bundes zu übertragen.

Zum 1. November soll das abgewickelt sein, erklärt Frank Krieger vom Amt für Brandschutz. Danach erfolgt die förmliche Entwidmung und anschließend gegebenenfalls der Verkauf des Objektes. Sein Amt ist danach nur noch für die reine Verwaltung der Tiefgarage unter dem Rathaus zuständig, die ebenfalls als Schutzraum gebaut wurde.

Anders als der Bunker an der Adolf-Flecken-Straße in Bahnhofsnähe ist der am Berghäuschensweg nie vom Bund in städtische Nutzung gegeben worden. Deswegen kann die Bundesanstalt den Bau samt Grundstück schon jetzt offerieren. 120 000 Euro hätte sie gerne für den Klotz aus dem Jahr 1942, der von einem 7,50 Meter hohen Heizungskamin überragt wird. Dazu gehört ein Grundstück von 999 Quadratmetern, das nach Auskunft des Grundbuchamtes nicht beliehen ist.

Zwei Unternehmen nutzen Teile des Bunkers, der lange Film-Magazin der UfA war, als Lagerfläche. Einer zog schon gestern aus, Malermeister Hans Schroers, der im Bunker auch eine Werkstatt hat, ist an einem Kauf nicht interessiert. Aber andere. Öfters, so berichtet Nachbarin Sturm, seien dort Besichtigungen, auch für heute früh sei eine angekündigt worden. Aber keine hat die Anwohner so beunruhigt, wie der Ortstermin mit dem Rockerclub. "Die haben gesagt: Wir machen die Bäume weg, dann haben wir Platz für 150 Motorräder."

(NGZ)