Neuss: Heirat nach Abschiebung

Neuss: Heirat nach Abschiebung

Sieben Jahre kämpften Periko Abouadi und Ilse-Marie Roeder darum, in Deutschland heiraten zu können. Vergeblich. Der Afrikaner wurde abgeschoben. Seine Verlobte reist ihm nach – und hofft auf Familienzusammenführung.

Ilse-Marie Roeder sitzt auf gepackten Koffern. Nächste Woche wird die 52-jährige Erfttalerin in den Kongo reisen und dort tun, was ihr in Deutschland verwehrt wurde: Sie wird den 28-jährigen Periko Abouadi heiraten. Seit dem 15. August 2002 ist sie mit dem jungen Flüchtling verlobt, und genau so lange kämpft das Paar für eine gemeinsame Zukunft in Deutschland. Die Hoffnung darauf haben beide noch nicht aufgegeben.

1998 war Periko Abouadi aus seiner Heimat geflohen. Er wollte nicht Soldat in einem Bürgerkrieg sein. Verfolgung und Gefängnis hatte er erlebt, konnte darüber aber, wie Gerhard Niemeyer vom "Netzwerk Asyl in der Kirche" bedauernd feststellte, "nicht schlüssig vortragen". Was für Niemeyer ein Hinweis auf eine Traumatisierung war, werteten die Ausländerbehörden anders. Sie lehnten 2003 den Asylantrag ab. Und Abouadi ging in den Untergrund. Erst nach sieben Jahren, in denen er als Illegaler in Erfttal ein öffentliches Leben führen konnte und sich vergeblich um Papiere bemühte, die deutsche Ämter anerkannt hätten, ging er den Behörden ins Netz.

Im Januar, nach fast einem halben Jahr Haft im ostwestfälischen Büren, wurde Periko Abouadi abgeschoben. Nichts hatte die Maßnahme aufhalten können. Kein Gericht, weder Bundespräsident noch Bundestag, an die Niemeyer Petitionen richtete. Und auch die Initiativen des Landtagsabgeordneten Heinz Sahnen und des Erfttaler Pastors Jochen Koenig, der die Deutsche Bischofskonferenz um Hilfe für den, wie Koenig unterstreicht, "prima Kerl" anging, blieben erfolglos. Die Unterschriftenliste, die Schützenverein, Fußballer und der Kirchenchor gesammelt hatten, entfalteten zuletzt auch keine Wirkung mehr. "Die habe ich noch hier liegen", sagt Roeder. Der Bürgermeister hatte die Annahme verweigert. Zuständigkeitshalber.

Roeder hofft nun, dass es für ihren Verlobten einen Weg zurück nach Neuss über die Familienzusammenführung geben kann. Doch der wird teuer, hat ihr ein Anwalt eröffnet. Denn die Auslagen des Staates für die Monate in Abschiebehaft und die Polizeibegleitung bei der "Rückführung" wird sie erst zu ersetzen haben. Aktuell sammelt sie in der Familie – "Meine Kinder unterstützen mich sehr" – für elementarere Dinge. Ihr Verlobter, der im Kongo bislang keinen Familienangehörigen hat finden können, muss schließlich von etwas leben.

Die Heirat in Brazzaville soll auf dem einheimischen Standesamt erfolgen. Die deutsche Botschaft habe abgelehnt. Das heißt, dass die kongolesischen Papiere von deutscher Seite geprüft werden. Noch hat das Paar es nicht geschafft.

(NGZ)