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Neuss: Heimspiel in Neuss

Neuss : Heimspiel in Neuss

Anlässlich seines 70. Geburtstages kehrte Klarinettist Lajos Dudas für ein Konzert der Reihe "Blue in Green" mit seinem Trio nach Neuss zurück. Das Publikum in der Alten Post feierte den Jubilar mit tosendem Applaus.

Etwas ist anders als sonst. Spannung liegt in der Luft vor diesem Konzert der Jazzreihe "Blue in Green" in der Alten Post. Anlässlich seines 70. Geburtstages ist er wieder einmal in Neuss, wo er drei Jahrzehnte an der Musikschule gelehrt hat: Lajos Dudas. "Unser heutiges Programm hat einen folkloristischen Schwerpunkt", sagt der in Budapest geborene Klarinettenvirtuose zur Begrüßung. "Doch Folklore ist eine einfache Musik. Wir werden dafür sorgen, dass sie aufregender wird, dass sie jazzig wird: durch ,falsche' Töne, durch Akkorde, die nicht am Platz sind oder durch spannende Percussion." Und mit Bezug auf das Instrumenten-Arsenal des Perkussionisten Jochen Büttner, zu dem neun Gongs in unterschiedlichen Größen gehören, fügt er hinzu: "Dieser Anblick allein ist schon den Eintrittspreis wert."

Wenn Dudas, Büttner und "Blue in Green"-Initiator Philipp van Endert an der Gitarre zu spielen beginnen, sorgen die in einer ausgeklügelten Dramaturgie ausgearbeiteten Arrangements dafür, dass es ist wie bei einer großartigen Inszenierung im Theater. Als öffne sich mit einem Mal der Vorhang zu einer Welt voller Abenteuer, zaubern sie mit ihren Instrumenten die unterschiedlichsten Emotionen hervor. Wie sich ein einfaches Lied aus der Folklore in ein komplexes Stück Jazz verwandeln lässt, zeigt Dudas am Beispiel von "Szomorú Vasárnap" (Trauriger Sonntag) des ungarischen Pianisten Rezso Seress, das als Jazz-Ballade "Gloomy Sunday" in das Standard-Repertoire eingegangen ist.

Gerade in diesem Stück wachsen Dudas und sein kongenialer Partner van Endert über sich hinaus. Doch "Gloomy Sunday" und "Autumn Leaves" sind die einzigen Fremdkompositionen des Abends. "Ich schreibe meine Folklore selbst", sagt Dudas. Ob es namentlich ein "Folksong" ist, etwas Spanisches, das argentinisch anmutende "Tangogo", das bluesige "At Carmelo's", das groovende "Back To L. A." oder ein Stück Avantgarde mit dem Titel "Triplets".

Er freut sich, dass seine Musik in Neuss so überschwänglich gefeiert wird. Am Bodensee, wo er seit einigen Jahren lebt, ist man da (noch) zurückhaltender. Zum Abschluss gibt's auch für das Geburtstags-Publikum Geschenke. Statt eine dritte Zugabe zu spielen, verteilt Dudas zehn CDs.

(NGZ)