Neuss: Heimatverein ringt um einen Neuanfang

Neuss : Heimatverein ringt um einen Neuanfang

Mit Buh-Rufen ist die Versammlung des Holzheimer Heimatvereins zu Ende gegangen. Der Zwist im Vorstand hält an

Um 21.53 Uhr war das Maß voll. Auf wiederholten Antrag von Ehrenmitglied Pfarrer Josef Ring schloss die Mitgliederversammlung des Heimatvereins Holzheim am Mittwochabend mit fast einstimmigem Votum den ersten Vorsitzenden Peter Schornstein von der Versammlung aus.

Es war der traurige Höhepunkt einer Versammlung, die vor allem das tiefe Zerwürfnis im Vorstand und die Isolation des Vorsitzenden dokumentierte, mit dem erkennbar niemand mehr zusammenarbeiten kann oder will.

Weil Schornstein trotzdem, wie er betont, keinen Anlass für einen Rücktritt sieht, wird es zeitnah eine weitere Versammlung geben, für die ein Tagesordnungspunkt schon feststeht: Abwahl des gesamten Vorstandes. Denn nur damit, so war der erneut als Versammlungsleiter gewonnene stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel überzeugt, kann ein Neuanfang gelingen.

Auslöser für die Vorstandskrise waren Pläne, den Vorstand zu erweitern. So sollte einerseits Vorsorge für den Fall getroffen werden, dass ein Vorstandsmitglied ausfällt, weil dann ein eingearbeiteter Vertreter die Funktion übernimmt. Zudem, so warb Beiratsmitglied Bernd Gerigk für eine entsprechende Satzungsänderung, sollten Anreize für ein Engagement im Vorstand geschaffen werden. Weil sich sonst nie jemand findet für "diese große unbekannte Aufgabe".

Eine entsprechende Satzungsänderung bekam in allen Punkten eine Mehrheit, die über dem Quorum von 75 Prozent lag, und wurde gegen den Widerstand des Vorsitzenden und einer Handvoll Mitglieder, die mehrheitlich dessen Familienangehörige waren, angenommen. Mit gleicher Mehrheit wurden Schornsteins Anträge zur Satzung verworfen, der etwa Menschen über 70 Jahren von Vorstandsaufgaben ausschließen wollte. "Das geht nur gegen uns", schimpfte Schatzmeister Heinz Bloemacher. "Nur für die Drecksarbeit sind wir nicht zu alt." Die Sitzung hatte schon turbulent begonnen, als es zur Kampfabstimmung in der Frage kam, wer das Protokoll schreibt.

Schornstein unterlag, ließ aber gleich wissen: "Ich behalte mir vor, als Versammlungsleiter das Protokoll abzuhaken." Buh-Rufe wurden laut, denen später am Abend mehrfach das Stakkato folgte: "Raus, raus, raus." Weil auch das Misstrauen groß ist, sollen Josef Ring und Pfarrer Michael Tewes die nächste Ausgabe der Vereinsnachrichten, die Schornstein redaktionell bearbeitet, gegenlesen.

Damit sich dort keine Polemiken finden wie in den Briefen des Vorsitzenden, die als Hauswurfsendung verteilt wurden. Die attackierten viele als Schmähung, verlangten eine öffentliche Entschuldigung. Tewes soll auch dafür sorgen, dass der Vorstand die Satzungsänderung ins Vereinsregister eintragen lässt.

(NGZ/rl)
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