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Besondere Weihnachten: Heiligabend im Kreißsaal

Besondere Weihnachten : Heiligabend im Kreißsaal

An Heiligabend kommen deutlich weniger Kinder zur Welt als an anderen Tagen. Davon, wie es ist, am 24. Dezember zu entbinden, erzählen zwei Mütter. Etwa, dass der Arzt bei der Geburt über das Weihnachtsessen spricht.

Für Weihnachten 2009 hatten Petra Schiffer und ihre Familie feste Pläne: ein leckeres Essen, ein Gottesdienstbesuch und eine schöne Bescherung mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter. "Es war das Weihnachten, von dem wir dachten, dass Lilith erstmals alles bewusst miterleben würde. Und wir hatten uns sehr darauf gefreut."

 Die Geburt von Liam Theodor Uriel war eigentlich für den 10. Dezember errechnet, der Kleine ließ sich aber Zeit. Julia Hübers aus Kempen und ihr Sohn feiern an Heiligabend den dritten Geburtstag.
Die Geburt von Liam Theodor Uriel war eigentlich für den 10. Dezember errechnet, der Kleine ließ sich aber Zeit. Julia Hübers aus Kempen und ihr Sohn feiern an Heiligabend den dritten Geburtstag. Foto: Fotos: Reichwein, privat | Monta

Tatsächlich aber wurde es ein improvisiertes Fest: Die Bescherung gab es schon am 23. Dezember, die kleine Tochter verbrachte den Heiligabend mit ihren Großeltern. Und Petra Schiffer und ihr Mann erlebten die Weihnachtstage in einem Kölner Krankenhaus auf der Entbindungsstation. Ihre Zwillinge Raphael und Konstantin kamen am 24. Dezember um 11.11 Uhr und 11.12 Uhr zur Welt. Gute vier Wochen zu früh.

Petra Schiffer hatte eine absolut unkomplizierte Schwangerschaft - umso überraschter war sie, als ihr Frauenarzt sie am 22. Dezember ins Krankenhaus schickte, weil ein Blutwert plötzlich sehr schlecht war und es dort dann hieß: "Das hält nicht mehr über Weihnachten." Einmal durfte sie noch nach Hause, um ihre Koffer zu packen, der Tochter alles zu erklären, die Geschenke zu überreichen und die Betreuung zu organisieren. In der Zwischenzeit bereiteten die Ärzte alles für die Entbindung der beiden Jungen vor, die per Kaiserschnitt geholt werden mussten. Da brachte auch ihr Einwand "Aber morgen ist doch Heiligabend!" nichts mehr. Mit elektrischen Teelichtern und Reisekrippe machte sie es sich dann auf der kaum belegten Entbindungsstation so gemütlich wie möglich.

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Tatsächlich kommen an Heiligabend weniger Babys zur Welt als an den meisten anderen Tagen. Die aktuellste Auswertung des Statistischen Landesamtes dazu ergab, dass 2013 insgesamt 287 Geburten in NRW registriert wurden. Die Zahl der Geburten im Durchschnitt aller Kalendertage der letzten 14 Jahre liegt laut IT NRW bei 422 Kindern je Tag. Zwar gibt es an diesem Datum eher weniger geplante Kaiserschnitte, manche Babys suchen sich aber genau den 24. Dezember aus, um auf die Welt zu kommen.

Wie der Sohn von Julia Hübers. Überrascht war die junge Mutter jedoch nicht, obwohl der Geburtstermin für den 10. Dezember 2013 ausgerechnet war. "Mein Sohn sollte entscheiden, wann für ihn der Tag ist zu kommen", sagt die Kempenerin. "Irgendwie wusste ich, dass er an Weihnachten kommen würde." Ihr erstes Kind, ein Christkind.

Doch dafür, wie der Junge auf die Welt kommen sollte, hatte Julia Hübers einen konkreten Wunsch: eine Hausgeburt. Als einen Tag vor Weihnachten die Wehen einsetzen, sei ihrer Hebamme schnell klar gewesen, dass daran nicht festgehalten werden konnte. Das Baby war sehr groß und schwer. Und während der Presswehen ging die Aktivität plötzlich zurück. Julia Hübers musste ins Krankenhaus. Um halb vier nachts. "Mir blieb nichts anderes übrig", erinnert sie sich. Im Kempener Hospital zum Heiligen Geist sei sie zu diesem Zeitpunkt "der einzige Gast" gewesen. "Die Station war schön weihnachtlich geschmückt, und die Stimmung war ganz entspannt." Zu essen gab es Canapés.

Essen spielte auch bei Petra Schiffer eine Rolle. Sie merkte während der Entbindung, dass es kein normaler Wochentag war, weil der Operateur begann, übers Weihnachtsessen zu reden: "Und, wat jibbet bei Ihnen immer an Heiligabend zu essen?", fragte der Arzt die Krankenschwester. Da sei ihr klar gewesen, dass es nicht so schlimm sein könne: "Solche Gespräche führt niemand, der die Lage nicht im Griff hat", sagt die heute 42-Jährige.

Auch Julia Hübers hatte, wie sie sagt, eine traumhafte Entbindung. "Es wurde viel gelacht, und meine Hebamme war an meiner Seite", erzählt sie. Dass ihr Sohn auf natürlichem Wege zur Welt kam, ohne Kaiserschnitt, trotz seiner Größe, war ihr wichtig. Hübers wurde am frühen Morgen an den Wehentropf gelegt, und um 7.22 Uhr kam ihr Sohn zur Welt. 4870 Gramm schwer und 59 Zentimeter groß. "Ein Riese", sagt sie liebevoll. "Für alle unbegreiflich." Morgen wird Liam Theodor Uriel drei Jahre alt. Und in diesem Jahr hat Julia Hübers sich auch wieder was vorgenommen: Weihnachten und Geburtstag feiern.

Den 24. Dezember hätte sich Petra Schiffer nie freiwillig für die Geburt ihrer Kinder ausgesucht. "Wenn man im Doppelpack Geburtstag hat, muss man diesen nicht auch noch mit dem Christkind teilen", findet die Journalistin, die mit ihrer Familie in Neuss lebt. Deshalb gibt es an Heiligabend vormittags immer nur ein kleines Geschenk für die Jungs, richtig gefeiert wird der Geburtstag von Konstantin und Raphael an ihren jeweiligen Namenstagen - dem 21. Mai und 29. September. Auch für die Kinder sei am 24. "Weihnachten das größere Fest".

(RP)