Neuss: Heerich-Schau in Hombroich

Neuss: Heerich-Schau in Hombroich

Der Nachlass des Künstlers und Hombroich-Architekten Erwin Heerich ist auf die Raketenstation umgezogen. Mit einer Ausstellung seiner Werke wird zugleich das von Alvaro Siza gebaute Gebäude eröffnet.

Ohne die Pavillons von Erwin Heerich ist die Museumsinsel Hombroich kaum denkbar. Der 2004 gestorbene Künstler, Architekt und Professor der Düsseldorfer Kunstakademie hat sie alle entworfen – vom Labyrinth für die Kunst der Khmer und Arbeiten von Gotthard Graubner bis hin zur Cafeteria. Er hat im ehemaligen Kutscherhaus ein Atelier gehabt und die Entstehung der Insel von 1980 an mit seinen Bauten nachhaltig beeinflusst.

Ergebnisse des "plastischen Denkens" von Erwin Heerich.

Dass Heerichs Familie mit Ehefrau Hildegard und Sohn Martin an der Spitze den kompletten Nachlass des Künstlers nun der Stiftung Insel Hombroich geschenkt hat, ist dennoch eine große Geste. Immerhin geht es um über 7000 Papierarbeiten und Plastiken, die in einem neuen Gebäude auf der Raketenstation zusammengeführt wurden. Mit der Vorstellung des Archivs und der ersten Ausstellung von Heerichs Werken unter dem Titel "Prozess des plastischen Denkens" verknüpft die Stiftung auch die Präsentation des Baus, der von einem nicht berühmten Kollegen Heerichs entworfen wurde: von dem portugiesischen Stararchitekten Alvaro Siza.

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Damit wird die ehemalige Natobasis eine gute Woche nach Eröffnung des Museums für populäre Druckgrafik, dem Feld-Haus auf dem Kirkeby-Feld, um eine weitere Attraktion reicher. Einzig die endgültige Fertigstellung des von Raimund Abraham erbauten "Haus der Musiker" in Sichtweite des Siza-Pavillons fehlt noch – dann ist realisiert, was vor einigen Jahren auf der Architektur-Biennale in Venedig vorgestellt wurde. Rund 1,4 Millionen Euro hat das Siza-Haus gekostet, finanziert hat es die Stiftung mit Hilfe des Landes NRW, des LVR, der Stadt und des Rhein-Kreises Neuss.

Das U-förmige, sehr helle und innen mit edlen Naturmaterialien gestaltete Backsteingebäude schmiegt sich nicht nur in die Landschaft ein, sondern ist auch ein gelungener Rahmen für die gedanklichen Raumwelten, die Heerich auf Papier gezeichnet, in Pappe und Karton geschnitten und in Holz geschreinert hat. Erwin Heerichs Sohn Martin und Birgit Brunk, die den Nachlass archivisch aufarbeitet, haben die rund 250 Exponate vor allem unter einem Aspekt ausgesucht: "Wir wollen zeigen, wo die Formen ihren Ursprung haben", sagt Brunk. Und Martin Heerich ergänzt: "Es geht nicht um das Erdacht-Gemachte, sondern um das Gedachte." Nicht die Architekt, sondern der Künstler Heerich ist es, der mit dieser beeindruckenden, fast meditativ wirkenden Ausstellung gewürdigt wird – von der konzeptuellen Arbeit am Schreibtisch oder mit Hilfe der "Familienbibel", die Heerich überall mitnahm, bis hin zur fertigen Holzskulptur. Ein wunderbarer Auftakt für das Leben im Siza-Haus.

(NGZ)