1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Hecken gegen Gänseplage am Meerke

Neuss : Hecken gegen Gänseplage am Meerke

Bei einem Informationsabend stellte die Stadt den Bürgern vor, wie sie das Naherholungsgebiet Jröne Meerke attraktiver gestalten und einen Teil der Flächen vom Gänsekot frei halten will. Dazu waren auch Experten zugegen.

Schlechtes Wasser, Fischsterben, große Gänsepopulationen und massenweise Tierkot auf den Rasenflächen: Um das Naherholungsgebiet Jröne Meerke ist es seit langem schlecht bestellt. Wie sehr den Bürgern der Nordstadt ihr Kleinod am Herzen liegt, davon konnten sich die Besucher am Mittwochabend im Papst-Johannes-Haus überzeugen. Rund 100 Interessierte waren zu dem Informationsabend gekommen, zu dem die Stadt Neuss geladen hatte. Emotional, aber sachlich diskutierten Anwohner, Naturfreunde, Politiker Vogelliebhaber, Jäger und Eltern.

 Gewässerexperten Udo Kosmac u. Hartmut Wassmann, Stefan Lins (Stadt), Johan Mooij (Gänseexperte), Christoph Hölters, Rudolf Westermann (Stadt)
Gewässerexperten Udo Kosmac u. Hartmut Wassmann, Stefan Lins (Stadt), Johan Mooij (Gänseexperte), Christoph Hölters, Rudolf Westermann (Stadt) Foto: lber

Vertreter des Amtes für Umwelt und Stadtgrün, der Limnologe (Binnengewässer-Experte) Hartmut Wassmann vom gleichnamigen Ingenieur-Büro aus dem Berliner Umland sowie der Gänse-Fachmann Johan Mooij, Leiter der Biologischen Station in Wesel, klärten über die Maßnahmen zur Verbesserung der Grünanlagen, zur Sanierung der Wasserqualität sowie zum Gänsemanagement auf.

Bereits im Herbst hatte der Stadtrat einen Neun-Punkte-Katalog verabschiedet und 100 000 Euro bereitgestellt. Konkrete Maßnahmen blieben jedoch zunächst aus. Mittlerweile sei aber einiges geschehen, versicherte der Beigeordnete Christoph Hölters.

  • Neuss : Reisig verscheucht brütende Gänse
  • Neuss : Fuchs und Marder dürfen auf Gänse-Insel
  • Neuss : Jröne Meerke soll schöner werden

Nach den Säuberungsarbeiten mit einer speziellen Reinigungsmaschine, die die Stadt zunächst getestet hatte und demnächst auch anschaffen will, seien die Grünflächen und Wege von Gänsekot gereinigt, so Hölters. "Ich bin einmal wöchentlich im Seebereich unterwegs und habe keine stinkenden Schuhsohlen mehr." Außerdem würden rund 7500 Broschüren, in denen die Stadt über das Fütterungsverbot von Wasservögeln und Fischen informiert, verteilt.

Wie die Wasserqualität verbessert werden könnt, stellte der Limnologe Wassmann vor. Mit Ultraschallgeräten will er die Blaualgenmassen-Entwicklung bekämpfen. Im Hiltruper See in Münster habe er damit bereits gute Erfahrungen gemacht. "Wir sind die ersten, die diese Vorhaben wissenschaftlich begleiten."

Hölters stellte weitere Maßnahmen vor. Dazu zählen Gehölznachpflanzungen, die Wiederherstellung zerstörter Rasenflächen, Uferrandbepflanzungen, Äsungsplätze, die Aufwertung des Spielplatzes mit Spielgeräten und einer Vergrößerung der Sandfläche.

Die geplante Wasserfontäne, die rund 15 000 Euro kosten würde, stieß bei einigen Bürgern allerdings auf wenig Verständnis, ebenso vorgesehene Heckenanpflanzungen. Gänseexperte Mooij: "Schneegänse treten immer in Gruppen auf. Wenn die Hecken stabil genug sind, meiden sie diese Flächen." Mit mobilen Barrieren will er zudem verhindern, dass die Gänse Richtung Viersener Straße marschieren und von den Privatgrundstücken das Gras fressen.

"Gänse fressen pro Tag ein bis anderthalb Kilo Gras. Bis auf Gänseblümchen lassen sie nichts stehen", sagte Mooij. Gleichzeitig scheiden die Tiere pro Tag 200 Gramm Kot aus. "Bei 140 Gänsen sind das 28 Kilogramm", rechnete er vor. "Wenn das Jröne Meerke langfristig als Naherholungsgebiet dienen soll, muss man an die Menge der Gänse ran." Anders als ein Vertreter der Kreisverwaltung im Publikum hält Mooij Schneegänse auch für jagdbar.

(NGZ)