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Neuss: Hauptschule verliert Schüler

Neuss : Hauptschule verliert Schüler

Auf Kritik ist der Verwaltungsentwurf des Schulentwicklungsplans gestoßen. "Nacktes Zahlenwerk", sagen Schulpolitiker. Sie fordern ein Forum, in dem die Neusser Schullandschaft diskutiert werden soll.

Die Vorlage des zweiten Entwurfs des Schulentwicklungsplans der Verwaltung für den Zeitraum bis 2021 hat bei den Neusser Schulpolitikern Kritik ausgelöst: "Lediglich eine Beschreibung der Ist-Situation", sagt die schulpolitische Sprecherin der SPD, Gisela Hohlmann, von "keiner auf die Zukunft ausgerichteten Planung" spricht Dieter Zander von den Grünen.

Klar ist: Die Bedeutung der Hauptschulen wird in der Gunst der Eltern weiter sinken, die des Gymnasiums weiter steigen. Der zweite Entwurf des Schulentwicklungsplan für die Stadt Neuss belegt den Trend: Entschieden sich 2009 noch 15 Prozent der Viertklässler, eine Hauptschule zu besuchen, werden es laut Prognose im Sommer nur noch sieben Prozent sein. Dagegen steigt die Beliebtheit der Gymnasien von 52 auf 64 Prozent. Neuss ist damit Teil der landesweiten, dramatischen Entwicklung. Gab es 2002 noch fünf Hauptschulen, so können im Sommer nur noch an zweien Kinder angemeldet werden; die Nachfrage an Gesamtschulen steigt, die an Realschulen lässt nach. Wurden 2002 noch 315 Kinder an den fünf Hauptschulen angemeldet, so wird der Bedarf stadtweit auf drei Züge schrumpfen.

Stephan Zehnpfennig (SPD) ist überzeugt: "Das dreigliedrige Schulsystem ist am Ende. Nicht, weil wir Politiker es wollen, sondern weil die Eltern das mit ihrem Anmeldeverhalten so vorgeben." Auf diese Entwicklung müssen Verwaltung und Politik Antworten geben. So sieht es der Grüne Schulfachmann Zander: "Wir müssen uns mit diesen Zahlen fraktionsübergreifend auseinandersetzen und diskutieren, wie die Schullandschaft in Neuss aussehen soll."

Es komme keine Hilfestellung von der Schulverwaltung, kritisieren Politiker: "Früher enthielt die Schulentwicklungsplanung Ausblicke und empfohlene Maßnahmen", sagt Zander. In dem Entwurf heißt es nur lapidar: "Inwieweit aufgrund der derzeitigen politischen Diskussion in NRW die Hauptschulen und Realschulen als eigenständige Schulformen erhalten bleiben, ist derzeit nicht absehbar." Es sei eine "Statistik-Welt, der die Perspektive fehlt", sagt Ralph-Erich Hildebrandt (SPD). Schuldezernentin Christiane Zangs verspricht, die "berechtigte Kritik Ernst zu nehmen".

Die Grünen schlagen ein "Forum mit Verwaltung, Politik und Schulen" vor. Die CDU favorisiert eine "fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe mit Schulleitern", so Andreas Hamacher. "Wir sollten im September beraten, wie der Zeitplan aussehen kann." Für Zehnpfennig steht fest: "Die Entwicklung der Schullandschaft in Neuss ist keine Frage der Ideologie, sondern der Frage: Wie folgt Politik dem Elternwillen?"

(NGZ)