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Neuss: Hauptschule nimmt Abschied aus Gnadental

Neuss : Hauptschule nimmt Abschied aus Gnadental

Die auslaufende Hauptschule Gnadental zieht in diesem Sommer nach Norf um. Den Lehrern ist es wichtig, die Schüler weiter zu motivieren.

Es wirkt wie eine ganz normale Projektwoche: Da wird gewerkelt und musiziert, Sport gemacht und gebastelt. Am lautesten ist an diesem Tag an der Gemeinschaftshauptschule Gnadental die Trommelgruppe des afrikanischen Künstlers Famous Awuku Doe. Der ist zufrieden mit der Leistung der Jugendlichen, ein Lob, das der stellvertretende Schulleiter Norbert Führes noch verstärkt. "Ihr macht das so toll, da merkt ihr, was in euch steckt", sagt der Lehrer. "Ihr habt so viel Potenzial."

Die motivierenden Worte zeigen, dass es doch keine ganz normale Situation ist, in der die Gnadentaler Haptschule gerade steckt: Ihre Schulform läuft aus, die Projektwoche ist eine Abschiedsveranstaltung. Nach den Sommerferien wechseln die Schüler nach Norf, werden dort an der ebenfalls auslaufenden Geschwister-Scholl-Hauptschule unterrichtet. Das Kollegium wolle vor allem eines, sagt Norbert Führes: verhindern, dass die Schüler diesen Wechsel als Abwertung begreifen

"Für die Kinder ist das ein Einschnitt", sagt der 61-Jährige, der seit den 70er Jahren an der Hauptschule Gnadental arbeitet und sich noch an Zeiten erinnern kann, als rund die Hälfte der Grundschüler zur Hauptschule wechselten. Diese Zeiten sind vorbei - mangelnde Anmeldezahlen sind der Grund, warum die Hauptschulen in Neuss aufgegeben werden. Entschieden haben das Menschen aus Politik und Verwaltung - geschultert werden muss es vor Ort.

"Ganz schön unfair ist das", findet der 16-Jährige Ali, der sich bei den Projekttagen für ein Zeitungsprojekt entschieden hat. Sein Schulfreund Ahmet denkt derweil schon an die Zukunft: "Immerhin müssen bald keine Kinder mehr zur Hauptschule gehen", sagt der Neuntklässler. "Ich hoffe, der Sekundarschule wird es besser ergehen als unserer Schule", sagt der 16-Jährige mit einem Blick über den Schulhof, wo die Sekundarschule Gnadental ihren Sitz hat. Die neue Schule wird in die Räume der alten Hauptschule hineinwachsen - deswegen auch der Ortswechsel der Hauptschüler nach Norf.

Für Lehrer Norbert Führes und seine Kollegen ist die Abwicklung "ihrer" Schule ebenfalls kein leichtes Unterfangen. "Wir haben so viel aufgebaut, das nun einfach kaputtgeht", sagt der stellvertretende Schulleiter. Deswegen motiviert er nicht nur die Schüler zum Weitermachen, sondern wirkt auch auf das Kollegium ein, damit es nicht aufgibt. " Wir wollen bis zum Schluss unser Bestes geben", sagt der 61-Jährige, der viele erfolgreiche Projekte der Hauptschule aufzählen kann: Die Inklusionsklassen etwa, oder der Förderunterricht für schulmüde Jugendliche. Auch die Eingliederung von ausländischen Kindern, die ohne Deutschkenntnisse nach Neuss kommen, gehört dazu. Dabei gilt stets der Ansatz, die Schüler in den Mittelpunkt zu stellen. "Lernen müssen die Kinder selbst, aber ich kann ihnen dabei helfen", sagt Norbert Führes. Der Erfolg der Schüler ist für den Pädagogen das schönste Lob - und für ihn persönlich der Grund, nicht aufzugeben und motiviert zu bleiben.

(NGZ)