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Neuss: Happy End für Sturmopfer

Neuss : Happy End für Sturmopfer

Vor mehr als einem Jahr wehte Sturmtief Nora das ganze Dach vom Haus der Eheleute Trueba. Nach Monaten in einem Notquartier in ihrem Schrebergarten sind beide wieder zurück. Und an ein Aufhören denken sie nicht.

Tomás und Doris Trueba sind zurück. Sollten sie jemals in ihrem Leben noch einmal umziehen, dann freiwillig und Richtung Nordspanien und nicht — wie im Juli 2010 — der Not gehorchend in einen Wohnwagen. Denn in dem mussten sie monatelang Quartier nehmen, nachdem Sturmtief "Nora" das ganze Dach von ihrem Haus an der Ecke Weißenberger Weg/Josefstraße fegte und es so für lange Zeit unbewohnbar machte. "Viele Nachbarn dachten, wir wären schon ausgewandert", berichtet sie 63-jährige Wirtin des Lokals "Aqui Espana". Aber sie ist wieder da.

Im Juli 2010 zog Sturmtief Nora eine Schneise der Verwüstung durch Neuss. Am schwersten beschädigt wurde das Haus der Truebas. Foto: L. Berns

An jenem windigen Montag im Juli 2010 wurde niemand in Neuss mehr geschädigt als die Wirtsleute, die 1996 Haus und Gaststätte erwarben und seitdem ihr "Hier ist Spanien" — so die Übersetzung des Lokalnamens — betreiben. Erst hob der Sturm das Dach hoch und ließ es auf die Straße krachen, wo es zwei Autos unter sich begrub, dann kam der Regen und sickerte in das ungeschützte Haus ein. Das Haus wurde gesperrt, seine Bewohner ausquartiert.

Die Untersuchung des Hauses durch einen Statiker ergab, dass es nicht abgerissen werden musste, doch der Sanierungsbedarf war enorm. "Alle Wohnungen waren durchnässt", beschreibt Doris Trueba das Ausmaß der Schäden. Decken, Böden, Wände, Türen — alles musste neu gemacht werden. Die Kosten dafür trug letztlich die Versicherung, doch eine Summe erfuhren Truebas nie. Denn mit Ende der Arbeiten wurde den Eheleuten Truebea der Versicherungsschutz gekündigt. "Das habe ich nun gar nicht verstanden", sagt die Wirtin kopfschüttelnd.

Den allgemeinen Neuanfang nutzten die Hausbesitzer, um ihrerseits in die Immobilie zu investieren. Besonders deutlich zeigt das der tiefrote Außenanstrich des Gebäudes. "Eine schöne Stange Geld hat das gekostet", sagt Trueba, der andererseits während der Haussanierung keinerlei Einnahmen hatte. Denn das Lokal musste geschlossen bleiben. Im Schankraum selbst blieb daher vorerst alles beim Alten. Bis auf den Fernseher, der ebenfalls einen Wasserschaden erlitten hatte.

Die Stammkunden, so berichtet Doris Trueba, haben sich fast alle schnell wieder eingestellt. Und auch ein Mieter, der für die Sanierungszeit im Kolpinghaus einquartiert werden musste, ist zurück in dem Haus, in dem er fast 50 Jahre lebt. Andere Mieter wollten nicht warten und suchten sich aus dem Hotelzimmer, in das die Stadt sie erst einmal einquartiert hatte, eine neue Wohnung.

Nach einem Jahr voller Rückschläge und persönlicher Krisen blicken Tomás Trueba (63) und seine Frau wieder mit mehr Optimismus nach vorne. Ans Aufhören denken beide nicht, auch wenn beide 2013 formal das Rentenalter erreichen. "Wir haben hier so viele schöne Stunden erlebt. Das gibt man nicht so einfach auf."

(NGZ)