Handlebards aus London zeigen Shakespeare-Komödie im Globe Neuss

Shakespeare-Festival in Neuss : Shakespeare-Komödie voller Volten

Zum dritten Mal sind die Männer der freien Truppe „Handlebards“ aus London zu Gast beim Shakespeare-Festival. Vier Schauspieler zeigen, wie sich auch eine Komödie mit großem Personaltableau auf die Bühne bringen lässt.

Es ist Nachmittag. 15 Uhr. Und das Festivalfoyer unter freiem Himmel ist ebenso voll wie die Wetthalle. Den Gesichtern vieler Jugendlicher ist anzusehen, was sie denken: Ein Tag vor Ferienbeginn, aber wir müssen ins Theater! Doch schon nach einer guten Stunde schauen sie ganz anders. Drei Mädchen singen, was sie gerade gehört haben, andere erzählen einander lachend nach, was sie gesehen haben – wer sagt, dass Shakespeare nichts für junge Zuschauer ist, wird eines Besseren belehrt. Vor allem, wenn sich die Handlebards einer Komödie des Dichters angenommen haben und sie mit großem Spaß auf die Bühne bringen.

Mit „Much Ado about Nothing“ hat das Shakespeare-Festival begonnen und mit „Much Ado about Nothing“ wird es am Samstag Abend enden. In beiden Fällen als englischsprachige Produktion, und in beiden Fällen turbulent und witzig. Wobei die Handlebards aus London ihre Kollegen von Northern Broadsides aus Halifax noch übertrumpfen. Allein schon in puncto Schnelligkeit.

Dafür braucht Regisseurin Emma Sampson nur vier Schauspieler, die sich und ihre Rollen anfangs vorstellen: Bill Ross-Fawcett (Don John, Leonato und Dogberry), Robin Harris (Don Pedro, Bote, Margaret, Erster Wächter und Bruder Francis), Mark Collier (Beatrice, Claudio, Conrade, Zweiter Wächter, Sexton) und Ross Ford (Benedick, Hero, Borachio, Antonio und Verges). Nicht nur an ihren durchweichten Hemden lässt sich der Kraftakt der ständigen Rollenwechsel erkennen, sie übertreiben in jeder Hinsicht – was allerdings kongenial zu ihrer Sicht auf die Komödie passt.

Die Geschichte des streitbaren Paares Benedick und Beatrice, der Frischverliebtheit von Claudio und Hero, der Intrige des fiesen Don John, der missgünstige Bruder des Prinzen Don Pedro, wird mehr oder weniger so erzählt, wie Shakespeare sie geschrieben hat. Aber wie das erzählt wird – so wundervoll übertrieben, so wenig menschelnd, schlicht in jeder Situation das Komische entdeckend und doch nie peinlich werdend: Das muss man können. Und bei allen Volten, die die vier Schauspieler dabei schlagen – nie erwecken sie den Eindruck, das Stück oder gar den Dramatiker zu diskreditieren.

Rot, Blau, Grün und Gelb sind die Farben, die dem Zuschauer vor allem anfangs helfen, einen klaren Kopf zu behalten, wenn gerade Ford zwei Rollen spielt und hin und her wischt, oder Ross-Fawcett den wütenden Vater Heros namens Leonato gibt und zugleich den mit italienischem Akzent parlierenden Dummbatz Dogberry spielt.

Gestik und Mimik sind mindestens ebenso wichtige Mitspieler wie die Fahrradlenker („handlebar“ im Englischen und Vorbild für den Namen der Truppe, das „d“ eine Reverenz: an Bard für Barde), die als – eigentlich anwesende Personen – angespielt werden.

Und wenn das nicht ausreicht, müssen Zuschauer ran. Das ist mittlerweile ein gut erprobtes Mittel der Handlebards, klappte schon bei ihrem „Sommernachtstraum“ 2017 und auch bei „Tweltfth Night“ (Was ihr wollt) im vergangenen Jahr. An diesem Nachmittag heißen die, die es trifft, Anna und Chris. Sie sind bereitwillig und immer wieder eingesprungen, ohne das Gefühl bekommen zu müssen, auf der Bühne vorgeführt zu werden.

Das liegt vermutlich auch daran, dass die vier Handlebards ihre Arbeit auf der Bühne zwar sehr ernst, sich selbst aber nicht zu ernst nehmen. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber keiner, denn die Bewegungen sitzen ebenso wie die Worte, die sie sprechen. Dass Sampson kürzen musste, liegt auf der Hand, allerdings ist sie dabei so behutsam vorgegangen, dass nichts wirklich fehlt. 

Und dass viele Szenen mit den vier Schauspielern choreographiert sind, zeigt sich spätestens in der zweiten Hälfte, wenn die Geräusche zu Leonatos Schlägen für den Schuft Borachio aus dem Dunstkreis Don Johns von Collier und Harris fabriziert werden und fast  zu einem Schuhplattler mutieren...

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