Neuss: Hamacher verlässt "Quirinus"

Neuss: Hamacher verlässt "Quirinus"

Heute feiert Johannes Hamacher seinen Abschied als Schulleiter des Quirinus-Gymnasiums. Mit einem Theaterstück wollen ihm seine Schüler den Schritt in den Ruhestand erleichtern. Doch das Loslassen fällt schwer.

Jeden Tag schreitet Johannes Hamacher an ihr vorbei, an der altehrwürdigen Ahnengalerie des Qurinus-Gymnasiums. Bald wird Hamachers Bild dort ebenfalls hängen — als Erinnerung an einen Schulleiter, der die Geschicke des Gymnasiums jahrelang wesentlich geprägt hat.

Heute wird der Schulleiter, der seit 1990 Rektor am Quirinus-Gymnasium ist, offiziell verabschiedet. Nicht mit einer formellen Feier, sondern mit dem Theaterstück "Orpheus und die Unterwelt", das Hamacher gemeinsam mit Schülern erarbeitet hat. Eine Rede will der 63-Jährige dennoch halten — um Dank zu sagen an Kollegen, Eltern und Schüler.

Seit über 20 Jahren Rektor

Es ist kein einfacher Abschied für den leidenschaftlichen Lehrer, ist er dem Quirinus-Gymnasium doch schon seit Kindertagen verbunden. "Als Junge bin ich hier zur Schule gegangen", erzählt der gebürtige Neusser, der nach dem Studium zunächst in Mönchengladbach als Lehrer arbeitete. 1990 kam er schließlich als Rektor nach Neuss zurück — und begann, dass Quirinus-Gymnasium gehörig umzukrempeln. "Heute ist kaum vorstellbar, was für einen Skandal ich damals ausgelöst habe", erzählt Hamacher schmunzelnd.

  • Nachruf Johannes Hamacher : Das Quirinus-Gymnasium geprägt

Denn sein erklärtes Ziel war es, das Gymnasium — damals eine reine Jungenschule — auch für Mädchen zu öffnen. Damit eckte er vor allem in konservativen Kreisen an — doch beirren ließ er sich nicht. Recht gaben ihm schließlich die Schülerzahlen: Denn die Zahl der Neuanmeldungen war auf 65 geschrumpft — als schließlich Mädchen zugelassen wurden, stieg die Zahl der Anmeldungen schlagartig auf über 200. "Da haben wir einen Nerv getroffen", sagt Hamacher rückblickend. Heute ist er stolz darauf, dass die Schule ihre Traditionen bewahrt hat, etwa weiter starken Wert legt auf Alte Sprachen, gleichzeitig aber auf moderne Lehrmethoden setzt.

"Die Schüler sollen gerne zu uns kommen", sagt Hamacher, der den Lehrer nicht nur als Autoritätsperson, sondern auch als Helfer und Ansprechpartner versteht. "Das haben auch die Kollegen stets mitgetragen", sagt der Schulleiter, dem deswegen der Abschied umso schwerer fällt.

Dabei hat der Latein- und Geschichtslehrer schon viele Pläne für den Ruhestand. Er will die von ihm herausgegebenen lateinischen Textausgaben überarbeiten, und auch an einer Arbeit im Stadtarchiv hätte er Interesse. Dort hofft er, "sein" Quirinus-Gymnasium wiederzuentdecken. "Ich würde gerne die Geschichte der Schule neu aufarbeiten", sagt der 63-Jährige. Und auch deshalb wird dem Quirinus-Gymnasium mehr von Johannes Hamacher bleiben als das Bild in der Ahnengalerie.

(NGZ/rl)
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