„Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ im Theater am Schlachthof in Neuss

Musikalische Reise von Neuss zur Lorelei : Eine Nixe packt viel Musik im TaS aus

Goethes Wort „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ gab den Titel vor für einen amüsanten musikalischen Abend im Theater am Schlachthof. Markus Andrae hat ihn konzipiert und eingerichtet.

„Wir sind nicht Fisch und nicht Fleisch, wir haben Flossen und sind bleich!“ Einen wunderbaren Abend gab es im Theater am Schlachthof (TaS) mit Liedern und Texten aus der Welt der Nixen und Meerjungfrauen, denn: „Eine Nixe packt aus“ – so der Untertitel zu einer echten Premiere. Eine Vorpremiere gab es bereits im Clemens-Sels-Museum im Rahmen der Ausstellung „Erzählen in Bildern“.

Das Theater feiert 25 Jahre und hatte bei ausverkauftem Haus in schönes Ambiente investiert. Dekorierte kleine Tische waren im Zuschauerraum postiert und machten den Abend irgendwie gemütlich. Dabei war Hochkarätiges angesagt: „In Bacharach am Rhein wohnt eine Zauberin, die arme Lorelei!“

Der klare Sopran von Marlene Zilias (31) verband Brentanos Gedicht mit der Musik des großen Monteverdi. Die Kölner Schauspielerin und Musikerin ist dem TaS eng verbunden, in dieser Saison war sie bereits mit „Der lachende Hiob“ und dem „Foxtrott auf dem Drahtsein“ umjubelter Aktivposten. Gelegentlich begleitet sie ihre Lieder mit makellosem Violinspiel, sie hat dieses Instrument an der Frankfurter Musikhochschule studiert.

Musikalisch ebenbürtig begleitet überwiegend am Keyboard Maren Donner (31). Die Remscheider Pianistin und Musikpädagogin hat Klavier und Vokalbegleitung an der Wiener Universität gelernt, beherrscht ebenfalls exzellent das Akkordeon und das Euphonium, das „Violoncello der Blasmusik“. Sie agiert aufmerksam und sehr flexibel und bleibt dabei die eher geheimnisvolle Schöne im Hintergrund.

Dritter im Bunde ist Markus Andrae (55). Der künstlerische Leiter des TaS rezitiert viele berühmte Texte aus der Nixenwelt – von Homers „Odyssee“ bis zu Goethes „Der Fischer“, den die Nixe mit den vielzitierten Worten „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ in die Unterwasserwelt lockt. Anschließend bittet er das Publikum um eine Schweigeminute – für den Fischer.

Mit seinem ordentlichen Gitarrenspiel und auch herrlichem Gesang etwa vom wilden Wassermann bringt er sich auf Augenhöhe mit den Profi-Musikerinnen.

Die gut zweistündige Aufführung mit Poesie, tollen Songs, Witz und auch Erotik hat viele Glanzlichter: So singen Maren Donner und Marlene Zilias den Text von Heinrich Heine „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ mit der Musik von Friedrich Silcher in einem wunderbaren Duo. Eine Arie aus Richard Wagners „Rheingold“ wird mit allen Koloraturen gesprochen (!) und so zum totalen Vergnügen. Hochkarätige Kompositionen von George Gershwin oder originelle Variationen zu Franz Schuberts „Die Forelle“ wechselten mit unterhaltsamer Stimmung wie etwa dem Karnevals-Schunkel-Walzer von Dietmar Kivel „Lore, leih mit dein Herz und sei lieb zu mir!“, im Trio geradezu zelebriert.

Das alles setzte Johannes Tosta (Technik) ins rechte Licht. Als dann zum Finale der „Wind, Wind, Wind auf den tosenden Tiefen der See“ wehte, den die Bremer Folk-Band „Versengold“ lyrisch-musikalisch veredelte, war die Begeisterung groß.

„Ich wusste nicht, was mich erwartet“, sagt die Weckhovenerin Angelika Quander, „aber diese gelungene Mischung von Text und Musik war einfach nur faszinierend.“ Und weil Markus Andrae der Überzeugung ist, dass „Nixen in Irland die größte Tradition haben“, gab es als Zugabe den schnellen traditionellen Irish Song „The Mermaid“.

Mehr von RP ONLINE