Neuss: Hafthaus wird nicht verkauft

Neuss : Hafthaus wird nicht verkauft

Die Interessenten für das frühere Abschiebegefängnis stehen Schlange, doch das Justizministerium will das Haus an der Grünstraße bis mindestens 2018 weiter nutzen. Was aber in dem Komplex geschehen soll, ist offen.

Ein moderner Wohnkomplex sollte es werden, mit Eigentumswohnungen in bester Lage in der Neusser Innenstadt. Die Interessenten für das frühere Abschiebegefängnis an der Grünstraße stehen Schlange. Doch aus den Plänen wird nichts. Das Justizministerium des Landes, das das Hafthaus für Frauen im vergangenen November geschlossen hatte, will das Gebäude bis mindestens 2018 weiter nutzen. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher unserer Redaktion.

Noch sechs Jahre läuft der Mietvertrag des Ministeriums mit dem Eigentümer, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes. "Unsererseits steht die Immobilie nicht zum Verkauf, wenn der Mietvertrag läuft", sagte Christa Bohl, Sprecherin des Bau- und Liegenschaftsbetriebes in Düsseldorf. "Der Mietvertrag bleibt bestehen", erklärte Ministeriumssprecher Peter Marchlewski unserer Zeitung.

Was das Ministerium mit dem Komplex an der Grünstraße plant, ist allerdings noch völlig offen. Bisher gebe es nur eine negative Entscheidung, hieß es. Es werde nicht weiter vollzuglich genutzt. Sprich: Ein Gefängnis soll es demnach nicht mehr dort geben. "Derzeit prüfen wir mehrere Optionen, wie der Komplex bis 2018 genutzt wird. Wir sind in ganz verschiedenen Gesprächen", sagte Peter Marchlewski.

Welche Optionen das sind, ließ er offen. Dass es eine zeitnahe Entscheidung gibt, ist fraglich. Bis die neue Landesregierung nach der Wahl am 13. Mai gebildet ist, wird in der Frage wohl gar nichts passieren. Der erste Plan der Landesregierung, in dem Gebäude eine Therapieklinik für Sexualstraftäter und Gewaltverbrecher unterzubringen, war im Januar 2011 an massiven Protesten gescheitert.

Doch damit ist die für viele Neusser liebste Lösung, das alte Haus abzureißen und dort moderne Gebäude mit Eigentumswohnungen zu bauen, vorerst vom Tisch. Bürgermeister Herbert Napp will sich damit aber noch nicht abfinden. "Wir waren mit dem Minister einig, dass wir über den Bauverein über einen Verkauf sprechen", sagte Napp unserer Zeitung. "Ich kann mir keine vernünftige Nutzung für dieses Haus vorstellen. Wir warten jetzt die Landtagswahl ab und gehen dann noch mal auf den Minister zu."

Zuletzt meldeten sich immer mehr Bauunternehmen und Investoren, die den Komplex entwickeln wollten. "Das ist ein hochinteressanter Standort. Es zieht die Menschen zum Wohnen zurück in die Innenstädte", erklärte Peter Krupinski, Prokurist der Neusser Bauverein AG, die derzeit das Gelände des ehemaligen Finanzamtes umbaut.

"An diesem Standort an der Grünstraße wird sich jeder Neusser Bauträger erfreuen. Eigentumswohnungen in der Lage gehen prima", sagte Ulrike Korbmacher von der Geschäftsleitung der Korbmacher Baugesellschaft. Die Mietfläche im Altbau beträgt 1450 Quadratmeter, hinzu kommt noch ein Wirtschaftshof.

(NGZ)
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