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Neuss: Hafen-Chef plant für "Eisernen Rhein"

Neuss : Hafen-Chef plant für "Eisernen Rhein"

Die öffentlichen Kassen sind leer. Damit die Eisenbahnverbindung nach Antwerpen daran nicht scheitert, hat der Neusser Hafendirektor ein Konzept erarbeitet, das auf private Partner und Geld aus der Wirtschaft setzt.

Geld aus der Privatwirtschaft kann das Bahnprojekt "Eiserner Rhein" neu in Schwung und innerhalb von sechs Jahren zum Abschluss bringen. Davon ist Ulrich Gross überzeugt, der auf Bitte von Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) dazu ein Realisierungskonzept erarbeitet hat. Danach sollen Planung und Bau dieser Güterverkehrsstrecke nach Antwerpen einer Infrastrukturgesellschaft übertragen werden, die zum Beispiel als Aktiengesellschaft gegründet werden könnte.

"Kochrezept" nennt Gross sein Denkmodell, zu dem er allerdings keine Alternative sieht: "Die öffentlichen Haushalte sind ausgelutscht", sagt er knapp. Daran und an der Haltung der Bahn AG werde der Bau des "Eisernen Rheins" als Maßnahme des Bundes auch in den kommenden Jahrzehnten scheitern. Beispiele dafür kennt er in Fülle. Beschlossene Maßnahmen wie die Betuwe-Linie als Bahnverbindung nach Rotterdam weichen "drastisch vom vorgebenen Termin- und Kostenplan ab". Und in Aussicht gestellte Vorhaben wie der Rhein-Ruhr-Express Köln-Düsseldorf-Dortmund "lassen keinen Fortschritt erkennen."

Gross setzt deshalb darauf, die Wirtschaft als Partner und Geldgeber mit ins Boot zu holen. Und die drückt sich nicht. Der IHK-Ausschuss Verkehr und Logistik, dem Gross seine Ideen schon vorgestellt hat, hat das Modell "grundsätzlich positiv zur Kenntnis genommen", berichtet IHK-Sprecher Lutz Mäurer. Aus dem Verkehrsministerium selbst hat Gross noch keine Reaktion gehört. Aber die Idee "gärt".

Auf Beschluss des Landtages hat die Regierung ein Gutachten in Auftrag gegeben, alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen, berichtet der Neusser Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Reiner Breuer. Das Strategiepapier aus dem Neusser Hafen sei in diesem Zusammenhang "ein interessantes, aber noch nicht vollständig ausgereiftes Konzept".

Dreh- und Angelpunkt in der seit Jahren geführten Debatte sind die Finanzen. Auf 1,2 Milliarden Euro beläuft sich die Kostenschätzung. "Da geht nichts ohne den Bund", meint Breuer, der fordert: "Der Eiserne Rhein gehört in den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung" — egal, wie die aussehen wird. Seit 2008 steht die Zusage des Bundes, 218 Millionen Millionen Euro zu schultern. Über 500 Millionen Euro könnten aus Belgien und den Niederlanden kommen, rund 350 Millionen kalkuliert Gross an EU-Fördermitteln ein. Den Rest sollen die Teilhaber der Infrastruktur AG aufbringen. Ein großes Plus in seiner Rechnung: Die Partner der Wirtschaft garantieren Fertigstellung und Einhaltung des Kostenrahmes. Damit sei das Risiko einer "Kostenexplosion" ausgeschlossen.

(NGZ)