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Umstrittener Lessingplatz in Neuss-Norf: Händler-Kritik: Denkverbot!

Umstrittener Lessingplatz in Neuss-Norf : Händler-Kritik: Denkverbot!

Die Kaufmannschaft am Lessingplatz in Norf fordert eine offene Diskussion über die Zukunft des Areals. Sie kritisiert ebenso wie das "Bürgerforum" die Haltung von Politikern, das Thema bis nach der Wahl zu verschieben.

Norf Es ist wohl der umstrittenste Platz in Neuss. Ein Platz, über den seit Jahren diskutiert wird und für den es offenbar keine Lösung gibt: der Lessingplatz in Norf. Um ihn wird nun heftig gezankt: Während Politiker des örtlichen Bezirksausschusses das Thema erst nach der Kommunalwahl anpacken wollen, sprechen Händler und Gewerbetreibende ebenso wie das "Bürgerforum" von einem "Diskussionsverbot" und fordern eine klare Positionierung der Politik — vor dem 30. August.

Der Lessingplatz ist ein schmuckloses Areal, das schon bessere Zeiten erlebt hat und wo es versäumt wurde, ihn ins neue Jahrtausend mitzunehmen. Das Einzelhandelskonzept der Stadt spricht von "zu vielen Ladenlokalen mit einem nicht einladenden Erscheinungsbild". Die Probleme sehen alle Beteiligten. Doch wie sieht die Lösung für den Lessingplatz aus? Die soll auch an einem "Runden Tisch" gefunden werden. Vorab hatten sich vor zwei Wochen Thomas Kracke (CDU), Bruno Hommes (SPD) und Michael Klinkicht (Grüne), alle Mitglied im Bezirksausschuss, darauf verständigt, das Thema erst wieder am 27. August anzugehen — es sei zu wichtig, um für den Wahlkampf missbraucht zu werden. Kritik erntete SPD-Wahlkreiskandidat Frank Leitermann, der eine Diskussion und ein Gesamtkonzept fordert und dafür von seinen Politik-Kollegen gerüffelt wurde.

Dies es wiederum bringt die Kaufleute auf die Palme: "Für den mündigen Bürger bedeutet dies, er erfährt bis zur Wahl nicht, was die Parteien beabsichtigen und planen", sagte Klaus Pangritz-Sellschopp, Sprecher der Händler, und spricht von einem "Skandal und einem politischen Denkverbot". Statt sich unbequemen Fragen zu stellen, versuche man das Thema tot zu schweigen. Pangritz-Sellschopp: "Der Bürger hat ein Recht zu erfahren, welche Positionen die Politiker beziehen. Das hat nichts mit zerreden zu tun, sondern ist beste politische Kultur und schafft Transparenz."

Unterstützung erhalten die Händler nicht nur durch Leitermann, der am Freitag ab 15 Uhr vor Ort mit den Bürgern darüber diskutieren will, sondern auch vom "Bürgerforum". Deren Sprecher Andreas Betten wirft den Politikern "Angst vor der Diskussion" vor. "Die Mitglieder des Bezirksausschusses sollten den Mut haben, das Thema Lessingplatz auch und gerade im Wahlkampf zu diskutieren. Die Umgestaltung eines Platzes geht alle Bürger an. Und da Wahlkampf eigentlich das Ringen um die beste Lösung sein sollte, ist es gut, dass der Lessingplatz jetzt Wahlkampfthema ist."

Wenig Verständnis für die Haltung seiner politischen Kollegen zeigt auch Ingo Stolz (SPD): "Diejenigen, die Leitermann kritisieren, kaspern am langen Arm der Verwaltung schon lange am Lessingplatz herum." Die Herausforderung ist seiner Auffassung nach nur mit einem "radikal neuen städtebaulichen Ansatz" zu lösen. "Wenn der Platz eine vernünftige ,Fassung bekommt, kann er auch verkleinert oder geteilt werden." Laut Stolz habe das Areal Platz für zwei Plätze — "einen für eine lebendige Begegnung einen für ruhige Entspannung."

(RP)