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Neuss: Guerilla-Dinner ganz in Weiß

Neuss : Guerilla-Dinner ganz in Weiß

Die Einladung zum ersten "Dîner en blanc" wurde im Internet ausgesprochen, gut 70 Neusser folgten ihr. Sie tafelten am Samstag unter freiem Himmel auf dem Drususplatz - und verschwanden anschließend spurlos.

Es war ein Bild wie aus der Werbung: Ganz in Weiß gekleidete Menschen speisten Samstagabend an einer festlichen Tafel unter freiem Himmel. Nur: Ein Gastgeber war nicht auszumachen. Die ganze Gesellschaft folgte einer Einladung zum ersten "Dîner en blanc", anonym ausgesprochen auf der Internetseite von Facebook. Alles ganz chic, ganz lecker - und eigentlich verboten. Aber die Behörden blieben bis zuletzt ahnungslos.

Verabredungen im Internet werden immer häufiger. Manchmal münden solche Flashmobs, also scheinbar spontane Verabredungen auf öffentlichen Plätzen, in politischen Aktionen, manchmal - etwa bei so genannten Facebook-Partys - beschäftigen sie sogar Ordnungsbehörden und Polizei, die zuletzt eine solche für Samstag geplante Party in Hagen verbieten musste. Auch die Teilnehmer am "Dîner en blanc" mögen den Kitzel von Spontaneität und Illegalität. "Das läuft guerillia-mäßig ab", sagt ein Teilnehmer, der genau deswegen nicht genannt sein möchte. "Wir treffen uns irgendwo und verschwinden am Ende spurlos."

Ausgangspunkt der Idee des "Dîner en blanc" ist Frankreich, wo zum Beispiel Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter schon 1988 eine solch festlich gestimmte Spontan-Gesellschaft erlebte. Sie initiierte vergangene Woche vom Bürgermeisterbüro aus über Facebook selbst eine solche Tafel - was eigentlich ungewöhnlich ist. Denn "normal" für solche Freiluft-Gelage in Weiß ist, dass sie an allen Behörden vorbei geplant und damit auch Auflagen und Genehmigungen elegant umgangen werden.

In Düsseldorf wurde vor gut vier Wochen eine Allee im Hofgarten zum "Dîner en blanc" umfunktioniert, in Neuss wählten die Organisatoren, die hübsch im Hintergrund bleiben wollen, den Park in der Mitte der Drususallee dazu aus. Seit dem "Tag der Plätze, zu dem das Forum Stadtentwicklung der Neuss Agenda 21 vor Jahren eingeladen hatte, war dort keine so große Gesellschaft mehr gesehen worden.

Die rund 70 Teilnehmer hatten sich am Hamtorplatz getroffen, nachdem der Termin erst am Mittwochabend über Facebook bestätigt worden war. Und alle hielten sich an die Spielregeln. Neben weißer Kleidung gehört dazu, dass jeder sein Essen selbst mitbringt. "Aber ein Platz ist immer frei", erklärt der Organisator, der einen Passanten spontan einlud - nachdem der sich umgezogen hatte.

Das erste Neusser "Dîner en blanc" in diesem Jahr soll auch das letzte sein. Wer aber gerne unter freiem Himmel in großer Runde speist, hat dazu schon am kommenden Wochenende wieder Gelegenheit. Dann organisiert Neuss Marketing auf dem Freithof die "Nüsser Genüsse". Ganz offiziell und mit behördlichem Segen.

Über 100 weitere Bilder des "Diner en Blanc" Neuss finden Sie auf TONIGHT.de!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neuss: "Diner en Blanc" auf dem Drususplatz 2012

(url/top/jco)