1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Günstige Wohnungen sind Mangelware

Neuss : Günstige Wohnungen sind Mangelware

Nur zwei von drei einkommensschwachen Haushalten steht eine preiswerte Wohnung zur Verfügung. Das bestätigt eine Studie. Alleine um diese Quote zu halten, müssten bis 2030 etwa 1300 Wohnungen zusätzlich an den Markt kommen.

Jeder vierte Neusser Haushalt gilt als einkommensschwach, bezieht Grundsicherung, Wohngeld oder hat ein Einkommen, das unter der Armutsrisikogrenze liegt. Doch nur für 64 Prozent dieser insgesamt 18 760 Singlehaushalte und Familien steht auch preiswerter Wohnraum mit einer Kaltmiete von maximal 6,30 Euro je Quadratmeter zur Verfügung. Der Bedarf ist enorm - und steigend. Bis zum Jahr 2030, so rechnete Planungsdezernent Christoph Hölters vor, müssten 1300 Wohnungen in diesem Segment zusätzlich entstehen, um die Quotevon 64 Prozent auch nur halten zu können. Effekte wie eine zunehmende Altersarmut noch gar nicht eingerechnet. Was tun?

Diese Frage diskutierte gestern der Planungsausschuss auf der Basis einer Studie, die seit dem vergangenen Herbst mit einem Bochumer Planungsbüro erarbeitet wurde. In den kommenden fünf Jahren, so formulierte die Verwaltung einen konkreten Vorschlag daraus, sollten 360 zusätzliche preisgünstige Wohnungen dem Wohnungsmarkt zugeführt werden. "Minimalistisch" nannte Reiner Breuer (SPD) das angesichts des Bedarfs, der Beschluss wurde auch deshalb erst einmal vertagt. Denn über die einkommensschwachen Haushalte hinaus gibt es in Neuss noch einmal fast die gleiche Anzahl Haushalte, die Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben, also auch preisgünstig wohnen müssten. Vielen Politikern war diese Dimension nicht so bewusst. "Schockierend", brachte Sven Schümann (CDU) diesen Erkenntniszuwachs auf den Punkt.

Als dicken Pluspunkt der Stadt Neuss im Vergleich mit anderen Kommunen wertet Hölters die Tatsache, dass mit dem Neusser Bauverein und der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft (GWG) zwei Unternehmen der Wohnungswirtschaft vorhanden sind, die begrenzte Mieten garantieren. Sie halten allein 70 Prozent aller öffentlich geförderten Wohnungen im Bestand. Diese Bewertung teilt die Gutachterin Regina Höbel. Gehe es Bauverein und GWG gut, gehe es auch allen Beziehern von Mindestsicherung gut, sagte sie, als sie ihre Studie erstellte. Eine ihrer Anregungen ist deshalb, solche Bauträger zu fördern und in gewisser Weise - etwa bei Wettbewerben - zu bevorzugen. Aber Höbel sagte auch: In einem engen Markt das preiwerte Wohnangebot zu verbreitern, "können GWG und Bauverein alleine nicht stemmen". Neuss müsse eine Investorenvielfalt anstreben und dürfe durchaus bei Neubauvorhaben ab einer gewissen Größenordnung Quoten für bezahlbaren Wohnraum vorgeben. "Investoren schreckt das nicht ab", sagte sie mit Blick auf andere Kommunen.

Bauland bereitstellen und für den geförderten Wohnungsbau - auch in einfachen Lagen - beschleunigt entwickeln ist ein Punkt, wie Verwaltung und Politik dem erkannten Mangel begegnen können, heißt es im Gutachten. Die Sünden der Vergangenheit, ganze Viertel mit Sozialwohnungen zu errichten, wird die Stadt aber nicht wiederholen, stellt Hölters klar. Er setzt auf gemischte Quartiere wie im Marienkirchviertel. Wo die entstehen, weiß er noch nicht. Der Flächennachweis für den Bedarf ist noch nicht erbracht.

(NGZ)