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Rhein-Kreis Neuss: "Günni" betreut Blutspender

Rhein-Kreis Neuss : "Günni" betreut Blutspender

Günter Sturm hat erst mit 37 Jahren das erste Mal Blut gespendet. Der Grund: Seine Mutter war an Krebs erkrankt. Seitdem lässt er sich regelmäßig "anzapfen" und ist seit einem Jahr Einsatzleiter bei Bluspendeterminen.

Er sieht genau, wenn einer zum ersten Mal kommt und noch nicht wirklich weiß, ob er vor dem Piks nicht lieber wieder verschwinden soll. Günter Sturm ist seit 27 Jahren selbst Spender, 80 Mal wurde ihm schon Blut abgezapft. "Die 100" will der 64-Jährige auf alle Fälle noch vollmachen. "Männer dürfen sechs Mal im Jahr spenden", klärt er auf. In solch einer Regelmäßigkeit gelingt das aber kaum jemandem. "Wenn man erkältet ist, gerade eine Operation oder Fernreise hinter sich hat, muss man erst einmal pausieren", sagt der Reuschenberger.

Seit einem Jahr ist Sturm Rentner. Schon vor Jahren hatte er gesagt, dass er dann beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) einsteigen werde. Und das hat der ehemalige Mitarbeiter der AOK auch gemacht. Sein erster Einsatz war vor fast genau einem Jahr: beim 9. Blutspende-Marathon im Neusser Rathaus. Wenn sich der morgen zum zehnten Mal jährt, wird Sturm auch wieder dabei sein. Er sitzt an der Anmeldung, nimmt die Ausweise der Spender entgegen, und die Angaben der "Neuen" auf. Das sind auch seine Aufgaben beim DRK Südpark, wo er bei den vier Blutspendeterminen pro Jahr Einsatzleiter ist. Da ist Günter Sturm nicht nur bekannt als jemand, der gern plaudert, sondern, wie er selbst meint, als "Reuschenbergs bester Brötchenschmierer". Denn für die eifrigen Spender – immerhin sind es zwischen 60 und 120 pro Termin – gibt es nach der Spende belegte Brötchen. "Und die machen wir selbst", sagt Sturm. Und nicht nur das: Auch der Einkauf wird von den Einsatzleitern vorher erledigt. "Viele kommen nach Reuschenberg, weil es bei uns die leckersten Brötchen gibt." Er lacht, denn eigentlich weiß er, dass für die meisten, wie für ihn selbst, Blut spenden eine Herzensangelegenheit ist. "Ich hoffe, dass mein Blut anderen hilft. Wie ich auch hoffe, dass genügend Konserven da sind, wenn ich sie mal brauche." Deshalb wird er auch nicht müde, Bekannte, Freunde und Verwandte anzusprechen. Lächelnd erinnert er sich an eine Asiatin, die Blut spenden wollte. Als sie jedoch hörte, dass ein halber Liter benötigt wird, und nicht wie bei ihr zu Hause ein Viertel, sei sie erschrocken wieder gegangen.

Aber Sturm ist auch noch anderweitig unterwegs, nämlich als "Opa Günni". Jeden Donnerstag Nachmittag geht er mit einem dicken Buch in den Reuschenberger Kindergarten und liest vor. Kommt er zur Tür hinein, wird schon gejubelt. Zurzeit bereitet sich Günter Sturm auch auf das Neusser Schützenfest vor. Zum 44. Mal wird er am 26. August als Mitglied des Schützenlustzuges "R(h)einrassige" über den Markt marschieren. "Wenn dann Mittwoch ist und ich meinen Uniformrock am Schrank hängen sehe, bin ich froh, dass ich das schwere Ding vorerst nicht mehr tragen muss", gesteht der Reuschenberger, dessen Ehefrau Doris aus der sächsischen Schweiz kommt, weshalb das Ehepaar dort auch jedes Jahr zum Wandern hinfährt. Alternativ werden andere Kontinente als der europäische bereist.

(NGZ)