Grundschüler aus Neuss sind laut Fitness-Check unsportlich

Untersuchung an vier Schulen in Neuss: Grundschüler gehen bei Fitness-Check baden

202 Neusser Zweitklässler wurden auf ihre sportlichen Fähigkeiten untersucht. Bei der Hälfte war das Ergebnis unterdurchschnittlich.

Die Neusser Grundschüler haben im sportlichen Bereich deutlichen Nachholbedarf. Die Hälfte der Zweitklässler liegen nach einer Untersuchung der Stadt unter dem erwarteten Gesamtnormwert für Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und Koordination. 202 Kinder aus vier verschiedenen Schulen haben an der Auswertung teilgenommen. 38 Prozent von ihnen können nicht schwimmen, etwa ein Viertel sind übergewichtig.

Brauchen Neusser Grundschüler bei sportlichen Aktivitäten zu häufig eine Stütze? 38 Prozent der Zweitklässler können nicht schwimmen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der sogenannte Motorik-Check ist in Neuss zum ersten Mal getestet worden. Das Sportamt und der Stadtsportverband Neuss (SSV) erhoben für das Pilotprojekt zusammen die Daten von insgesamt zehn Klassen an vier Schulen aus verschiedenen Neusser Stadtteilen: die Gebrüder-Grimm-Schule, die Burgunderschule, die St.-Konrad-Schule und die Kreuzschule. Dafür mussten Zweitklässler ihre sportlichen Fähigkeiten in acht verschiedenen Disziplinen unter Beweis stellen: Dazu gehörten zum Beispiel Laufen, Situps und Medizinball-Stoßen. Auch Angaben der Schüler wurden ausgewertet: So kam die Erhebung zu dem Ergebnis, dass ein Viertel der Teilnehmer weniger Sport treibt als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen – nämlich drei Stunden die Woche. Im kommenden Jahr sollen nach dem Vorbild von Düsseldorf alle Grundschulen in Neuss an der Auswertung teilnehmen. In der Landeshauptstadt findet die Erhebung für alle Kinder in der zweiten Klasse seit 2003 statt.

„Es ist schon so, dass die Zahl der Nichtschwimmer im Vergleich zu Düsseldorf höher ist“, sagt Gösta Müller, Geschäftsführer des SSV. Die Mängel bei der Fitness sind in sozial benachteiligten Gebieten der Stadt Neuss noch größer, insbesondere bei der Anzahl von übergewichtigen Kindern und Nichtschwimmern. Die Ergebnisse seien nicht unbedingt repräsentativ für die ganze Stadt, betont Müller. Gleichwohl ließen sie sich auch nicht beschönigen. „Für uns ist es wichtig, dass wir nun einen guten Kontakt zu den Schulen haben. Kinder und Eltern haben das Projekt ausdrücklich begrüßt“, sagt Müller. Bei dem Motorik-Check geht es eben nicht nur um die Bestandsaufnahme der sportlichen Fähigkeiten, sondern auch um deren gezielte Verbesserung und Förderung.

  • Hilden : Check! und Re-Check! macht Grundschüler fit

Jedes Kind erhält aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung eine persönliche Empfehlung für Sportarten, die zu den eigenen Fähigkeiten passen. Wer etwa bei Schnelligkeit und Koordination punktet, dafür aber nicht so viel Kraft hat, könnte eine gute Figur auf dem Tennisplatz abgeben. Besonders schnelle Kinder mit wenig Ausdauer könnten bei Leichtathletik-Disziplinen wie Sprint aufblühen. Sollte aus der Testphase in Neuss ein langfristiges Projekt entstehen, werden diese Empfehlungen noch konkreter. So könne man sich etwa vorstellen, Kinder direkt an Sportvereine aus ihrem Stadtteil zu vermitteln, sagt Müller. „Auch Maßnahmen wie gezielte Projektwochen an spezifischen Schulen wären denkbar.“

Mithilfe des Motorik-Checks sollen auch Talente erkannt werden. Acht Prozent der Neusser Grundschüler waren für Talentförderung geeignet. Allerdings war nur die Hälfte von ihnen bereits in Vereinen aktiv. „Hier muss man zwischen Prozentzahlen und absoluten Zahlen unterscheiden. Es handelt sich in dem Fall um acht talentierte Kinder, die noch nicht in einem Verein sind“, sagt Müller. Insgesamt waren 37 Prozent der 202 Teilnehmer nicht in einem Verein aktiv.

Mehr von RP ONLINE