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Neuss: Grünen-Chefin schockiert von Tagebau

Neuss : Grünen-Chefin schockiert von Tagebau

Die Bundesvorsitzende Simone Peter auf Wahlkampftour im Rhein-Kreis.

Sie war Umweltministerin im Kohleland Saarland und kommt derzeit als Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkampfeinsatz viel herum, doch am Rand einer Tagebaugrube stand Simone Peter gestern zum ersten Mal. Ein schockartiges Erlebnis sei das gewesen, berichtete die 48-Jährige beim anschließenden Besuch der NGZ-Redaktion. Die Verstromung von Braunkohle sei immer schwerer zu legitimieren, sagt sie auch angesichts dieser Landschaftszerstörung, denn die technischen Alternativen seien ja da. "Die Windanlagen sprießen", beobachtet sie. Auch im Rhein-Kreis.

"Kohle zu verbrennen ist eine Idee des 19. Jahrhunderts", pflichtet ihr der Grüne Landtagsabgeordnete Hans-Christian Markert bei. Man müsse die Industriegeschichte fortschreiben - und die Herausforderung sei, in Kreisläufen zu denken. Das bringt die Grünen an die Seite der Chemischen Industrie, die, wie Peter ergänzt, zunehmend mit Ressourcenverknappung zu kämpfen hat und nach Alternativen sucht, andererseits ein wichtiger Partner bei der Energiewende wird. Industrielle Kerne zu schützen, sei Teil grüner Wirtschaftspolitik, sagt sie und verteidigt damit auch Entlastungen des Bundes für energieintensive Unternehmen. Aber nur für die, die - wie die Aluminiumhütten im Rhein-Kreis - darauf angewiesen sind. Denn wenn in der Konsequenz Endverbraucher und Mittelstand durch höhere Strompreise belastet würden, führe das nur dazu, so Peter, "dass die Energiewende in Misskredit gerät."

Peter ist aktuell auf Tour, um für die Europawahl zu werben. Die werde deutlich weniger wahrgenommen als die Kommunalwahlen, sagt Peter, die versucht, beide Wahlen inhaltlich zu verbinden: "Wenn in der EU die Privatisierung der Wasserwirtschaft diskutiert wird, schlägt das auf kommunale Strukturen durch." Eine Thema aber ergibt sich für sie aus der russischen Ukraine-Politik: "Ich versuche deutlich zu machen, wie hoch der Wert eines friedlichen Europas ist."

(NGZ)