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Neuss: Grüne wollen mitregieren

Neuss : Grüne wollen mitregieren

Der Stadtverband Bündnis 90/Die Grünen hat ein neues Sprecher-Duo: Susanne Benary-Höck und Roland Kehl wollen mehr Mitglieder, mehr Inhalte und mehr gestalterischen Einfluss in der Stadt.

Frau Benary-Höck, Herr Kehl, Bündnis 90/Die Grünen ist ja nicht die große Mitgliederpartei ...

Susanne Benary-Höck Wer sagt denn das? Wir sind immer noch basisdemokratisch und unsere Mitglieder bringen sich inhaltlich voll ein. Bündnis 90/Die Grünen ist die Mitgliederpartei. Unsere Veranstaltungsreihe "Grüne im Dialog" ist ein Programm und kein Etikettenschwindel.

Die Frage richtete sich mehr auf die Quantität. Ihre Mitgliederzahl in Neuss ist immer noch zweistellig. Das kann Sie doch nicht zufriedenstellen?

Roland Kehl Der neue Vorstand hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahresende den Stadtverband auf 100 Mitglieder zu bringen. Das ist realistisch. Wir haben Zulauf. Seit Jahresbeginn haben wir fünf Neuaufnahmen. Zudem belebt sich die Grüne Jugend wieder. Ihr Vertreter Kevin Lindemann wird Platz und Stimme im Vorstand des Stadtverbandes erhalten.

Dennoch: Das Erscheinungsbild auch von Bündnis 90/Die Grünen wird in der Öffentlichkeit durch die Arbeit der Fraktion bestimmt, oder nicht?

Kehl Die Ratsfraktion ist ein wichtiges Element. Aber wir verfügen über eine gute Verzahnung mit dem Stadtverband. Das sieht man schon daran, dass Frau Benary-Höck und ich als Sprecher-Duo auch beide Mitglieder der Fraktion sind. So tauschen wir Informationen, Anregungen, aber auch Bedenken aus.

Benary-Höck Wir wollen inhaltlich diskutieren und arbeiten: Klimaschutz vor Ort, Gestaltung der sozialen Stadt, Wege aus der Plunder- und Plünderungsgesellschaft. Zu unseren Gesprächsabenden "Grüner Donnerstag" in lockerer Atmosphäre sind auch Nicht-Parteimitglieder ausdrücklich willkommen.

Wann ist die Zeit für eine Mehrheitsbeteiligung der Grünen auch im Neusser Stadtrat reif?

Benary-Höck Es ist nicht unser Ziel, auf immer Opposition zu sein. Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – auch in Neuss.

Kehl Auch 2009 standen wir – unter bestimmten Voraussetzungen – bereit. Das ist bekannt. Die CDU hat sich letztlich für die FDP entschieden. Das beklagen wir nicht. CDU und FDP müssen nun beweisen, was sie können. 2014 entscheidet der Neusser Bürger neu.

Das hört sich an, als ob Sie gar nicht böse sind, nicht die Verantwortung in Zeiten leerer Kassen zu haben?

Kehl Das stimmt so nicht, auch wenn die finanziellen Bedingungen ungünstig sind. Ergänzend muss dazu einfach gesagt werden, dass die jetzige Koalition die finanzielle Situation mit verschuldet hat. Siehe Senkung der Gewerbesteuer.

Das klingt alles sehr abgeklärt.

Benary-Höck Die Zeit der Konfrontationen ist doch vorbei. Wir haben keine Probleme gute Initiativen anderer Parteien oder Fraktionen zu unterstützen.

Kehl Ich würde mich freuen, wenn auch unsere Anträge so undogmatisch gesehen würden. Auf kommunaler Ebene benötigen wir nicht so viel Partei, es geht doch um den richtigen Weg, den wir für die Bürger einschlagen. Im Rat wünsche ich mir, dass wir Stadtverordnete alle die "Fraktion Neuss" bilden.

Ludger Baten führte das Gespräch

(NGZ)