Neuss: Grüne kämpfen für Botanischen Garten

Neuss: Grüne kämpfen für Botanischen Garten

Der Neusser Wohnungsmarkt wartet auf Neubauten. "Innenverdichtung vor Außenerweiterung" heißt es. Bürgermeister Napp will die Fläche der ehemaligen Stadtgärtnerei bebauen. Naturschützer: "Besser Botanischen Garten vergrößern!"

Der Trend ist eindeutig: Innerstädtisches Wohnen ist in. Daran mag Bürgermeister Herbert Napp denken, wenn er für den Gedanken wirbt, zumindest eine Teilfläche der ehemaligen Stadtgärtnerei am Botanischen Garten zu bebauen. Unterstützt wird der Rathaus-Chef vom CDU-Ratsherrn Heinz Sahnen. Das Gelände an der Bergheimer Straße im Dreikönigenviertel sei "zu wertvoll, um dort Stiefmütterchen zu züchten." Den Widerstand gegen die Baupläne organisiert Ingeborg Arndt. Die Grünen-Ratsfrau und Vorsitzende der Neusser BUND-Ortsgruppe hat 500 Protest-Unterschriften gesammelt.

Düsseldorf boomt, zieht immer mehr Einwohner an. Im Sog der Landeshauptstadt ist auch der Neusser Wohnungsmarkt in Bewegung geraten. Mieten und Preise für Bauland steigen; rund 1000 Namen stehen auf der Warteliste des städtischen Bauvereins. Sie alle suchen eine neue Wohnung. Bereits vor Jahresfrist hatte das Pestel-Institut, das sich als Forschungsinstitut und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände versteht, mit Blick auf den Rhein-Kreis Neuss von einem "Neubau-Defizit" gesprochen und vor einer "Überalterung der Bausubstanz" gewarnt.

Nach der Maxime "Innenverdichtung vor Außenerweiterung" werden gleichwohl große innerstädtische Baugebiete aufgelegt: die Gärten des Kamillus-Klosters am Konrad-Adenauer-Ring, das ehemalige Finanzamt-Areal an der Schillerstraße oder das Gelände des Alexianer-Ordens an der Nordkanalallee.

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Experten sagen aber, damit sei der Bedarf längst noch nicht gedeckt. Der Markt müsse weit mehr entlastet werden, damit Mieten und Baugrundstücke für breite Bevölkerungsschichten bezahlbar bleiben. Die Grundstückpreise stiegen im vergangenen Jahr im Zentrum und im Norden von Neuss um 3,5 Prozent; in den südlichen Stadtteilen um 2 Prozent. In der Spitze werden bis zu 460 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Diese aktuellen Zahlen nennt der soeben veröffentlichte Grundstücksmarktbericht 2013 für die Stadt Neuss.

Politische Einigkeit herrscht, dass mit Priorität Baulücken geschlossen werden. Das tut der Bauverein mit einem nur knapp vier Meter breiten Wohnhaus-Projekt an der Hymgasse oder mit Mehrfamilienhäusern an der Schulstraße. Strittig ist vielmehr, welche größeren innerstädtischen Flächen bebaut werden und welche Rolle dabei der dringend benötigte soziale Wohnungsbau spielt. So sieht der Neusser CDU-Chef Jörg Geerlings die Pläne, am Botanischen Garten Wohnungen zu bauen, "ehr kritisch". Gerade in dicht besiedelten Quartieren "benötigen Menschen botanisch wertvolles Grün." Bisher gebe es aber auch noch keinen offiziellen Vorschlag.

Derweil will Bürgermeister Herbert Napp weiter für Wohnungsbau dort werben, "wo durch die Stadtgärtnerei der Boden bereits versiegelt ist". Eine sinnvolle Ergänzung der schmucken Wohnanlage Altes Wasserwerk an der Weingartstraße biete sich an: Nicht jedes Wohnprojekt verdiene eine Protestaktion.

(NGZ/url)
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