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Neuss: Große Rennen mit kleinen Autos

Neuss : Große Rennen mit kleinen Autos

In Neuss gibt es ein neues Rennteam: Das "RC Car Team Neuss". Die Mitglieder steuern Modellautos mit Verbrennungsmotor. Bald wollen sie ein eigenes Gelände pachten. Dann soll die passende Rennstrecke entstehen.

Es riecht nach Benzin, die Motoren heulen auf, und dann geht es auf die Rennstrecke, mitten durchs Gelände. Die Fahrzeuge sausen knatternd vorbei, in hoher Geschwindigkeit geht es über Hindernisse und Rampen, so manch ein Überschlag ist da vorprogrammiert. Die Fahrer stört das kaum, denn sie stehen am Rand der Strecke. Die Rennautos sind Modellfahrzeuge, sie gehören dem neu gegründeten "RC Car Team Neuss". Die Wagen des Vereins sind keine schnurrenden Elektro-Fahrzeuge, sondern fahren mit Verbrennungsmotor. 80 Kilometer pro Stunde erreichen die Autos als Top-Geschwindigkeit — "kein Kinderspielzeug", sagt Issac Bulnes, Vereinsvorstand und gelernter Kfz-Mechaniker.

Marco Ziegler, Hans Jürgen Gehrich und Isaac Bulnes (v. li.) beim Schrauben an ihren Nitro-Fahrzeugen. Die können beim Rennen auch über Rampen fahren – 80 Kilometer pro Stunde ist die Spitzengeschwindigkeit. Foto: woi

Keine Vorkenntnisse nötig

Marco Ziegler kontrolliert sein Auto, an dem er ständig bastelt. Foto: Woitschützke, Andreas

Den 31-Jährigen fasziniert, wie lebensecht die Fahrzeuge sind, dass sie qualmen und stinken, statt elektrisch zu surren. Ein Großteil des Hobbys mache das Basteln aus, sagt Bulnes. Vorkenntnisse brauche es dafür aber nicht. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt der Neusser Familienvater über den elfköpfigen Verein, der derzeit auf der Suche ist nach einem passenden Gelände im Rhein-Kreis, um dort eine eigene Rennstrecke aufzubauen.

"Momentan treffen wir uns auf Parkplätzen oder dem TÜV-Gelände", erzählt Bulnes. Ein eigenes Gelände würde den Modellauto-Fans erlauben, eigene Rennen auszuschreiben, und mit befreundeten Vereinen aus anderen Städten am Niederrhein Wettkämpfe auszutragen. Außerdem sucht der Verein natürlich noch Verstärkung. Einzige Voraussetzung: Interesse an Autos und Spaß am Basteln.

"Das ist mehr Bastelei als alles andere", erzählt Marco Ziegler, seit sechs Jahren Fan der "Nitro-Fahrzeuge", wie die Autos in der Fachsprache genannt werden, da sie mit einer Kraftstoffmichung betankt werden, die Nitrobenzin enthält. Marco Ziegler ist auch an der Rennstrecke immer wieder bei seinem Fahrzeug, kontrolliert, zieht Muttern nach, zudem muss der Motor mit einer Starterbox ans Laufen gebracht werden. "Ich arbeite daran wie an einem normalen Auto auch", erzählt Ziegler.

Das mache den besonderen Reiz des Hobbys aus, findet auch Hans Jürgen Gehrich. Mit Hingabe rattert er die technischen Details der Fahrzeuge herunter: "3,5 Kilo schwer, 2,5 PS stark; 3,5 Kubikzentimeter Motor". Und weiter: 43 000 Umdrehungen, optimale Motortemperatur 120 Grad, Kostenpunkt: Ab 350 Euro aufwärts." Auch kostspieliges Auto-Tuning ist an den Fahrzeugen möglich, die bei Rennen sogar einen eigenen Boxenstopp absolvieren.

"Da stehen dann zwei Betreuer, wie beim echten Rennen auch", erzählt Isaac Bulnes, der sich schon so sehr in seine Autos einfühlen kann "dass ich höre, wann der Sprit ausgeht", sagt der 31-Jährige. Das passiert bei den Nitro-Fahrzeugen allerdings schneller als beim Formel 1-Wagen: nach rund elf Minuten ist der Tank leer. Aber dann geht es wieder auf die Strecke, "das kann ich stundenlang machen", sagt Isaac Bulnes.

(NGZ/rl)