Neuss: „Greifbare Fürsorge“

Neuss : „Greifbare Fürsorge“

Nordstadt Ein Schlaganfall ist ein Notfall, bei dem jede Minute zählt. Aus diesem Grund genießen Patienten, die mit einer entsprechenden Diagnose ins Johanna-Etienne-Krankenhaus eingeliefert werden, besondere Aufmerksamkeit. Schlusspunkt vieler Bemühungen zur Verbesserung ihrer Versorgung ist die Schlaganfallstation mit ihren sechs Betten, die am Donnerstag offiziell eröffnet wurde.

Diese "Stroke Unit", eingebettet in die neurologische Klinik des Hauses, zählt den gesamten Rhein-Kreis Neuss zu ihrem Einzugsgebiet. Sie wird die zentrale Anlaufstelle für jährlich etwa 800 Patienten sein. Tendenz steigend.

Eine solch spezialisierte Abteilung hat nicht nur mit Medizin zu tun, sondern auch ganz viel mit Psychologie. Das weiß Dr. Stephan Mohr, der Chefarzt der seit zwölf Jahren bestehenden neurologischen Klinik. Er hat oft genug erlebt, welche Panik bei Schlaganfallpatienten oder auch deren Angehörigen aufkommt, wenn auf einmal die Sprache weg ist, eine Körperhälfte gelähmt bleibt. Diese Menschen sollen eine "greifbare Fürsorge" erleben, sich - oder ihren Angehörigen - bestens aufgehoben und betreut fühlen. Ein Element dazu: Rund um die Uhr steht auf dieser kleinen Abteilung immer ein Arzt zur Verfügung.

Die Schlaganfallstation, eng mit der Intensivstation verzahnt, ermöglicht eine prompte Diagnostik sowie eine früh einsetzende Intensivbehandlung. An der wirken auch Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Logopäden mit. Denn je früher bei einer Sprachstörung ein Logopäde mit dem Patienten arbeiten kann, umso kleiner bleiben die möglichen Spätfolgen, erklärt Markus Richter, der Geschäftsführer des Etienne-Krankenhauses.

Kommt ein Schlaganfallpatient ins Haus, fährt er auf einer Art Grünen Welle, erklärt Mohr. Das heißt, dass er bevorzugt in einem der beiden Kernspintomographen behandelt wird. Eile tut not, so Mohr, denn wer früh kommt, keine wesentlichen Frühzeichen aufweist und bei dem auch keine Blutung im Gehirn festgestellt wird, der kommt für eine so genannte Lyse in Betracht. Heißt: Bei ihm kann das Gerinnsel im Kopf, das den Infarkt ausgelöst hat, noch aufgelöst werden.

Ebenso wesentlich nennt Mohr die Basistherapie, bei der die Patienten permanent überwacht werden. Blutdruck, Herzfrequenz, EKG, Atmung, Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur und Blutzucker werden mit Hilfe modernster Apparaturen beobachtet. "Dadurch können wir schnell und zielgerichtet reagieren und im Einzelfall schwere Behinderungen oder sogar Todesfälle vermeiden", sagt Mohr.

Weiteres Plus einer Stroke-Unit, in der die Patienten durchschnittlich drei Tage bleiben werden: Nach der Notfallversorgung dort können die Patienten gezielter in Rehabilitationseinrichtungen und auf andere Stationen verlegt oder sogar entlassen werden. Die Schlaganfallstation bekommt so die Funktion eines Flaschenhalses.

Während im Haus alles darauf abzielt, jede Reibung im Ablauf und damit Zeitverluste zu vermeiden, bleibt der vorklinische Bereich ein Sorgenkind. Aber auch daran wird gearbeitet. Rettungssanitäter und Feuerwehrleute wurden geschult, um ein Auge für Schlaganfallpatienten zu bekommen.

"Das läuft ganz gut", sagt Mohr, der auch die Bevölkerung informieren und sensibilisieren will, damit der Notruf nicht aufgeschoben wird. Dazu plant er am 16. August ein Patientenforum. Den niedergelassenen Ärzten stellte er schon am Donnerstag die verbesserte Infrastruktur vor.

(NGZ)
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