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Neuss: Grabschmuck lockt auch Diebe an

Neuss : Grabschmuck lockt auch Diebe an

Gerade an diesen Tagen legen viele Menschen großen Wert darauf, die Gräber ihrer Angehörigen zu schmücken. Vielfach sind auf den Friedhöfen aber Diebe unterwegs. Die Verwaltung kann nur wenig dagegen machen.

In diesen Wochen, an denen der Toten mit Gedenktagen wie dem heutigen Allerheiligen oder dem bevorstehenden Volkstrauertag sowie Totensonntag gedacht wird, zieht es viele Angehörige auf die städtischen Friedhöfe, um die Gräber liebevoll zu bepflanzen und zu schmücken.

Auch der Handel hat sich darauf eingestellt: Die Regale der Discounter und Supermärkte sind voll mit Grabschmuck und Blumenschalen. Vor dem Neusser Hauptfriedhof steht sogar ein mobiler Blumenstand, der Gestecke anbietet. Doch in manchen Fällen war die Mühe der Grabpflege vergebens. Denn Diebe schrecken nicht einmal mehr davor zurück, auf Friedhöfen vermeintlich kleine Gegenstände zu stehlen.

Denise van Recum, deren acht Jahre alter Sohn vor drei Jahren auf dem Reuschenberger Süd-Friedhof bestattet wurde, erzählt: "Wir hatten schon häufiger Ärger mit Dieben, die auf dem Friedhof einfach Dinge, die wir für Pascal auf dem Grab liebevoll hingestellt haben, stahlen." Es seien keine materiell wertvollen Gegenstände, "aber von hohem ideellen Wert wie Mitbringsel aus dem Urlaub oder Bastelarbeiten", so die Mutter, die regelmäßig mit ihrem Mann Andreas das Grab aufsucht und gestaltet.

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Ob Stofftiere, Tonfiguren, Windlichter oder sogar Solarlampen und Weihnachtsketten - immer wieder müssen Angehörige bei den Besuchen auf dem Friedhof feststellen, dass schon wieder verschwunden ist, was sie hingestellt haben.

Die Friedhofsverwaltung kann gegen derartige Diebstähle nichts unternehmen. "Die Pächter der Grabstellen müssen Anzeige bei der Polizei erstatten", sagt Peter Evertz, technischer Leiter der Städtischen Friedhöfe Neuss (SFN). Seit Evertz am 1. April seine neue Stelle angetreten hat, habe er von zwei Diebstahlmeldungen erfahren. "Eine Blumenschale und eine Laterne waren gestohlen worden", sagt Evertz.

Um die Diebstähle einzuschränken, kontrollieren die SFN-Mitarbeiter verstärkt die vielen Autos auf dem Hauptfriedhof, dessen Tor immer geöffnet ist. Wer keine Genehmigung vorweisen kann, muss mit seinem Auto den Friedhof verlassen. Denn im Wagen sei mögliches Diebesgut schneller zu verstauen und zu verstecken als es über die langen Wege auf dem Neusser Hauptfriedhof zu tragen.

Auch gegen vermeintlich auffällige Personen auf dem Friedhof kann die Verwaltung nichts machen. "Wir können die Menschen höchstens ansprechen, sie aber nicht des Platzes verweisen", erklärt Evertz. Grabdiebstähle empfinde er als ganz besonders schlimm. "Das ist nicht vergleichbar mit dem Diebstahl eines Kaugummis im Supermarkt", sagt er. Diese Taten verletzen die Angehörigen persönlich.

Denise van Recum bestätigt das: "Diebe, die ihr Diebesgut verkaufen, oder nur einen bösen Streich oder eine Mutprobe machen, wissen eventuell gar nicht, was sie einem Trauernden damit antun. Das ist ein ganz schreckliches Gefühl, weil einem auf der Erde lediglich diese Erinnerungsstätte bleibt."

(NGZ)