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Neuss: Goldmedaillen für den Kreis gerettet

Neuss : Goldmedaillen für den Kreis gerettet

Ein Sponsorenpool hat genug Geld aufgebracht, damit am Ende ein Gebot aus der Region den Zuschlag für die beiden Goldmedaillen von Annemarie Zimmermann erhielt. Die hatte die Trophäen schweren Herzens versteigern lassen.

Annemarie Zimmermann war die Erleichterung anzusehen: Ihre 1964 und 1968 errungenen olympischen Goldmedaillen, die sie schweren Herzens in eine Auktion gegeben hatte, bleiben im Rhein-Kreis. Etliche Sponsoren hatten zusammengelegt und Kreissportdezernent Jürgen Steinmetz das Mandat gegeben, in der Auktion am vergangenen Freitag für die Region mitzubieten. Der musste in der spannenden letzten halben Stunde des Verfahrens das Angebot zwar mehrfach erhöhen, doch am Ende schlug er drei Mitbieter aus Deutschland aus dem Feld und errang für den Rhein-Kreis — noch einmal — zweimal Gold.

"Auf Neuss ist Verlass", stellt Steinmetz zufrieden fest. Wen auch immer er anrief, jeder war bereit zu helfen. Und jeder, das wurde gestern im Pressegespräch mit den Geldgebern deutlich, hatte ein oft ganz persönliches Motiv für dieses Engagement — bis hinein in den Heimatverein Holzheim, der Zimmermann zum Ehrenmitglied gemacht hat: "Die Medaillen wurden unter 4043 Holzheim errungen", erinnerte der Heimatvereinsvorsitzende Max Ankirchner an die Zeiten, als Holzheim noch selbstständige Gemeinde war — und Neuss "seine" ersten Goldmedaillen feierte.

Elisa und Ulf Stelte (Meinolf Stelte Architekten) kamen ins Boot, weil sie am Bootshaus Minkel der SG Holzheim quasi aufwuchsen und einen Bauernhof an der Olympiasiegerstraße erwerben konnten, Karl Schornstein von der gleichnamigen Firma wiederum war Arbeitskollege von Annemarie Zimmermann. Und auch Franz Josef Stappen (Remy & Nauen Versicherungen) hatte einen persönlichen Grund für sein Engagement: "Ich war damals 15 Jahre alt und so begeistert, dass eine Frau für meine Vaterstadt eine Goldmedaille errungen hat."

Darüber hinaus ist allen Mitbietern das Interesse am Sport gemeinsam, das sich oft in einer Mitarbeit in dem Verein "Partner für Sport und Bildung" ausdrückt, der jüngst gegründet wurde. Talentsichtung und -förderung ist in dem ein großes Thema. Und was könnte fördernder und motivierender sein als das Beispiel, das Annemarie Zimmermann mit ihrem für Deutschland errungenen olympischen Edelmetall gegeben hat?

Das soll jungen Sportlern ein Ansporn sein und zeigen, so Steinmetz, was mit entsprechendem Einsatz erreicht werden kann. Wie und wo die Medaillen genutzt und gezeigt werden, war gestern, nur 36 Stunden nach dem Zuschlag des Auktionators, noch unklar. Sicher werden sie öffentlich gezeigt werden, vielleicht bei der Volksbank Düsseldorf Neuss, die auch Geld gab, um dieses sportgeschichtliche Dokument zu sichern. Darüber hinaus aber soll sie jeder Sponsor in seinem Umfeld zeigen dürfen. Christoph Buchbender, Vorstand der Rheinland-Versicherung, wusste auch wo: Die Besprechungsräume in seinem Haus wurden nach Olympia-Städten benannt — Tokio (1964) und Mexiko (1969) eingeschlossen. Dort hatte die Rennkanutin Zimmermann im Zweier-Kajak zwei Mal triumphiert. Die war gestern nur froh: "Da sind sie eigentlich besser aufgehoben als bei mir im Schrank."

(NGZ/rl)