Goethes „Faust“ in 100 Minuten in „Faust@WhiteBoxX“ am RLT Neuss

Theater in Neuss : Goethes „Faust“ in 100 Minuten

Mit „Faust@WhiteBoxX“ hat Tom Gerber in Wiesbaden großen Erfolg gehabt. Nun zeigt er ihn in Neuss.

Den ganzen „Faust“ zu zeigen – das würde auch Tom Gerber wohl überfordern. Für die aktuelle Spielzeit unter der neuen Intendantin Caroline Stolz fungiert der Regisseur und Schauspieler als Gast im Ensemble, bringt eine Produktion von seiner letzten Station, dem Staatstheater Wiesbaden, mit, die dort schon seit zwei Jahren (und vermutlich auch ein drittes Jahr) große Erfolge hat: „Faust@WhiteBoxX“.

Im RLT-Studio zeigt er nun seinen „Faust“ – und spielt ihn auch. In historischen Kostümen, aber ohne Requisiten. „Es ist natürlich der erste Teil“, sagt er und klingt dabei fast entschuldigend. Aber während andere „acht Stunden dafür brauchen, schaffe ich es in 100 Minuten und habe dabei nichts Wesentliches ausgelassen“. Vier Schauspieler braucht er für seine Inszenierung, deren räumliche Grenzen tatsächlich die weiß gestrichenen Wände einer offenen Box sind und mit der er das Stück „aufs Wort zurückführt“.

Die Idee zu „Faust@WhiteBoxX“ “ kam ihm in seiner Wiesbadener Zeit, erzählt er, als es vor allem darum ging, eine Möglichkeit zu schaffen, damit ambitionierte Regieassistenten alleinverantwortlich agieren können. „Die Ausführung schien unaufwendig“, sagt er, aber die Theaterleitung habe sich anfangs nicht sonderlich begeistert gezeigt. Vom Erfolg seiner Goethe-Adaption wurde nicht nur er überrascht. Und so kann Gerber mit einem Lachen durchaus sagen: „Dass eine Inszenierung von mir gleich an zwei Orten gespielt wird, erlebe ich zum ersten Mal.“ Nachdem nämlich Gerber selbst wegen einer Erkrankung Auftritte in Wiesbaden absagen musste, wird die Arbeit dort zur neuen Spielzeit wieder aufgenommen. Allerdings mit einer anderen Besetzung.

Denn auch Ulrich Rechenbach, der den Dichter, Wagner, Frau Marte, Valentin und Hexe schon in Wiesbaden spielte, ist Stolz und Gerber ans RLT gefolgt und steht nun in denselben Rollen in Neuss auf der Bühne. Niklas Maienschein ist Die lustige Person und teilt sich mit Gerber den Faust und den Mephisto. Anna Lisa Grebe spielt das Gretchen.

Gerber sieht in seiner Arbeit auch ein „Bekenntnis zum Purismus“. Er setzt allein auf die Sprache: „Nichts, was nicht zur Handlung gehört, wird zu sehen sein“, sagt er, „die Box ist eine karger Raum, in dem nichts Illustratives ablenkt.“ Licht, Video, Schattenspiel und das Wort Goethes sind seine alleinigen Mittel. Schon jetzt verspricht er eine Wiederaufnahme in der nächsten Spielzeit, und erzählt zudem, dass die „WhiteBoxX“ als Reihe am RLT etabliert wird.

Info Oberstraße 95, Freitag, 20. September, 20 Uhr, 02131 269933