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Neuss: Goder will Napp beerben

Neuss : Goder will Napp beerben

Die verunsicherte Neusser CDU wartet nach dem Wahldebakel vom Mai auf Führung, doch keiner organisiert den Neuanfang. Das Machtvakuum nutzt Klaus Goder. Der MIT-Chef ist bereit, fürs Bürgermeister-Amt zu kandidieren.

Klaus Goder (54), Allgemeinmediziner und Schützenoberst aus Gnadental, hält sich bereit, 2015 für die CDU als Bürgermeister-Kandidat in den Wahlkampf zu ziehen: "Ich wäre Fehl am Platze, wenn ich mir als Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung diese Aufgabe nicht zutrauen würde."

Noch sei es zu früh, um über eine Bewerbung zu entscheiden, aber er sehe sich als eine personelle Option. Als ehemaliger Geschäftsführer der Bundesärztekammer bringe er ausreichend Erfahrung mit, einen großen Behördenapparat zu führen.

Der Neusser CDU-Chef Jörg Geerlings (39), der offen lässt, ob er ebenfalls Ambitionen auf die Napp-Nachfolge hegt, reagiert gelassen auf die Goder-Bewerbung. Die CDU sei eine demokratische Partei, in der es jedem Mitglied frei stehe zu kandidieren. Die Entscheidung, wen die CDU als Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen schicke, stehe aber erst in zwei Jahren an. Bürgermeister Herbert Napp hat erklärt, er werden dann nicht erneut als Rathaus-Chef kandidieren.

Fakt bleibt, dass Jörg Geerlings der große Verlierer der Wahl vom 13. Mai ist. Als Landtagsabgeordneter verlor er nicht nur völlig überraschend sein Direktmandat, er trägt als Partei- und Fraktionsvorsitzender auch die Verantwortung für den Wahlkampf und das historisch schlechte Ergebnis vor Ort. Eine organisierte Opposition mit einem führenden Kopf an der Spitze, ist (noch) nicht zu erkennen.

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Gleichwohl wabert Kritik durch die Neusser CDU. Ratsherr Heinz Sahnen (65), dem Geerlings in einer Kampfabstimmung die Landtagskandidatur für 2010 entriss, fordert, dass die CDU "wieder emotionaler wird" und vor allem "in die Fläche, zu den Bürgern in den Stadtteilen" geht: "Da sind uns derzeit SPD und Grüne voraus." Jens Hartmann (41), der MIT-Kreisvorsitzende aus Neuss, sieht eine "Ratsfraktion, bei der der Teamgeist nicht funktioniert" und einen "Bürgermeister mit einem gespaltenen Verhältnis zur CDU-Fraktion".

Ratsherr Sebastian Rosen (38) beklagt, dass die Parteispitze weite Teile der Bevölkerung nicht mehr mitnimmt: "Früher waren die Vorsitzenden gesellschaftlich bedeutender Vereine CDU-Mitglied. Das ist heute nicht mehr durchgängig der Fall. Im Gegenteil. Viele kehren uns den Rücken zu." Außerdem sei eine Verjüngung unverzichtbar: "Jörg Geerlings steht inmitten von 60-Jährigen."

Klaus Goder hält sich mit öffentlicher Kritik ("Jörg ist mein Freund") zurück. Er möchte mit Leistung überzeugen: "Unser MIT-Team mit Persönlichkeiten wie Birgit Franja, Horst Tauwel oder Stefan Arcularius liefert gute Ergebnisse ab."

(NGZ/rl)