Neuss: Glühbirnen im alten Gasthaus

Neuss : Glühbirnen im alten Gasthaus

Viele kennen das Haus Köhnen auf der Büttger Straße als uriges Traditions-Lokal. Seit 2006 verkauft Jürgen Ponzelar in dem Eckhaus Energiesparleuchten und Rauchmelder.

Das Eckhaus mit der Nummer 50 ist meist hell erleuchtet. Kein Wunder — dort, wo die Büttger Straße die Gartenstraße trifft, "wohnt" ein Elektro-Großhändler. Der bringt Leuchtmittel, Lichtschalter und viele andere Produkte rund um Lampen, Strom und Co. unters Volk.

Doch viele Neusser kennen das Haus mit der hellgelben Fassade heute noch als Haus Köhnen, eine Gaststätte, die dort ein Herr Köhnen in den 30er und 40er Jahren betrieb. "In dem alten Gebäude von 1894 war früher eine Bäckerei, dann für sehr lange Zeit ein Gasthaus untergebracht", erzählt Jürgen Ponzelar, jetziger Eigentümer des Hauses und Geschäftsführer des Elektrogroßhandels Dicken & Hilgers. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Traditionshaus getroffen und musste von der ersten Etage an neu aufgebaut werden.

In den 60er Jahren dann blühte das Gastgeschäft und Haus Köhnen entwickelte sich zu einem florierenden Betrieb und beliebten Treffpunkt der Neusser Stadt- und Schützenszene. Ponzelar hat selbst in seinem heutigen Laden früher des Öfteren am Tresen gesessen. "Oft mit Joseph Lange, dem ehemaligen Leiter des Stadtarchivs", erinnert sich Ponzelar, der zu den "ältesten" Mitgliedern des Jägerzugs "Alte Kameraden" zählt. "Und als Jugendliche trafen wir uns nach der Schule in der altbürgerlichen Gaststätte. In den 60er und 70er Jahren hatte das Haus Köhnen Rang und Namen."

Noch bis ins heutige Jahrtausend trafen sich in der dunklen, aber heimeligen Gaststube viele Neusser Schützenvereine. "Als das "Schwatte Päd" 2000 schloss, haben wir hier unsere Monatsversammlungen und mehrere Krönungszeremonien abgehalten", erzählt Jochen Steins, Oberleutnant beim Jägerzug "Alte Kameraden." "De Tommaso" hieß der Laden damals und war eine italienische Trattoria. In den 1980er und 1990er Jahren hatte eine griechische Familie das Lokal geführt.

"Urig gemütlich war es in dem schlauchigen Gastraum", erinnert sich Jochen Steins. "Einfach eine Kneipe, in der man sich sofort zuhause fühlte. Deshalb waren wir sehr betroffen, als Luigi, der Wirt, schließen musste." Auch die späteren Mitglieder des Grenadierzugs "Treu zur Theke" trafen sich in den Sechziger Jahren im Haus Köhnen, als Theken-Fußballmannschaft mit dem Namen 1.FC Köhnen. Heute gehen in dem Traditionsbau an der Büttger Straße 50 nicht mehr Kölsch und Alt, sondern Leuchtmittel und Steckdosen über die Ladentheke.

"Für uns war der Kauf des Gebäudes ein logischer Schritt", erklärt Jürgen Ponzelar. 2006 hat er das Gebäude direkt neben seinem Laden in dem Haus Nummer 48 erworben. Der Bau wurde komplett entkernt und neu eingerichtet. Wo früher Tresen und Tische standen, befinden sich heute Büros und ein Verkaufsraum, wo der Großhandelskaufmann zwölf Mitarbeiter beschäftigt und rund 50 000 Elektro-Artikel führt.

(NGZ/rl)
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