Gewürzmühle Engels aus Neuss wird 100 Jahre alt

Jubiläum des Neusser Betriebs : Gewürzmühle Engels wird 100 Jahre alt

Das Unternehmen liefert den Neussern seit vier Generationen das gewisse Etwas für ihre Speisen. Nächstes Jahr feiert der Betrieb seinen 100. Geburtstag. Die MIT zeichnet die Familie nun als Unternehmer des Jahres 2018 aus.

Rohstoffe aussuchen, mahlen und nach eigenem Rezept mischen: Seit ihrer Gründung im Jahr 1919 ist die Gewürzmühle Engels mit ihren Kreationen aus Salz, Pfeffer und vielen exotischen Zutaten Teil der Gewürzgeschichte der Stadt. Der Familienbetrieb feiert im nächsten Jahr seinen 100. Geburtstag – und er wird von der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) als „Unternehmer des Jahres“ 2018 ausgezeichnet. Über die Jahre hat die Familie Beziehungen zu Händlern auf der ganzen Welt aufgebaut, die das Geschäft bis heute prägen.

„Wer hat den besten Pfeffer, wer hat die besten Kräuter?“ Auf diese Fragen müssen Marcus und Manja Freistühler, die das Unternehmen  in vierter Generation führen, immer wieder die richtigen Antworten finden. „Wir wollen immer eine gute Qualität haben. Wenn es geht, die beste“, sagt Marcus Freistühler. Das kann auch sehr viel kosten – der Preis bei Safran liegt aktuell bei etwa 6000 Euro pro Kilo, kann aber bei extremen Schwankungen bis zu 15.000 Euro erreichen. 90 Prozent der Gewürze im Laden kommen aus dem Ausland: etwa aus Syrien, der Türkei oder Peru. Die Antworten auf die Frage nach dem besten Rohstoff für die Mischungen von Engels können sich jährlich ändern.

„Wir sind immer noch abhängig von der Natur“, sagt Manja Freistühler. Im vergangenen Jahr sei die Vanille-Ernte in Madagaskar stark von den auf der Insel tobenden Wirbelstürmen betroffen gewesen. Eine Stange Vanille kostete dann nicht mehr einen Euro, sondern vier. „Dank unserer guten Beziehung zum Händler haben wir noch ausreichend Vanille bekommen“, sagt Marcus Freistühler. Andere Geschäfte konnten ihren Vorrat nicht so schnell auffüllen.

Nicht nur die Händler weltweit, sondern auch die Neusser Kunden schätzen die Marke Engels. Manch weggezogener Neusser lässt sich bis heute frisches Marzipan per Post liefern. Die süße Mandelmasse wird bei dem Familiengeschäft noch frisch vom Block abgeschnitten. „Wir haben teilweise Stammkunden, die seit den 60er Jahren beliefert werden“, berichtet Marcus Freistühler. Tradition ist dem Neusser wichtig, auch wenn sich seit der Gründung des Unternehmens vieles geändert hat. 1919 war es sein Urgroßvater Johannes Engels, der mit dem Handel von Gewürzen in Neuss begann. Er belieferte anfangs keine Privatkunden, sondern verkaufte seine Gewürze und Backzutaten vor allem an Metzger und Bäcker. Unter Tochter Maria Freistühler begann der Verkauf für den Privatverbrauch, zwischenzeitlich gab die Familie im Laden sogar chinesische Kochkurse. Heute sind Gewürze immer noch das Kerngeschäft des Unternehmens, es gehören aber auch Nüsse, Backzutaten und selbst gemachte Senfsorten dazu. Die Gewürzmühle Engels geht mit der Zeit.

Und dies macht sie auch geschmacklich. „Heute kauft auch eine ältere Dame mit 60 oft Curry, es ändert sich einiges beim Konsum“, erzählt Manja Freistühler. Typische Gewürze für Leberwurst etwa, sagt Freistühler, fallen öfters weg. In der Winterzeit bleibt es bei den Klassikern: Marzipan, Zimt, Spekulatius, gerne auch Honigkuchengewürz – das Rezept dafür stammt noch von Johannes Engels. Egal welche Gewürze man nutzt, es gilt nach Manja Freistühler der Grundsatz: Weniger ist mehr. „Nachwürzen geht immer, herausnehmen kann man meistens nicht.“