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Neuss: Gesucht: Objekte rund um das Altbier

Neuss : Gesucht: Objekte rund um das Altbier

Mit drei Ausstellungen in Neuss startet das städteübergreifende Museumsprojekt "Niederrheinische ALTernativen". Dafür suchen Stadtarchiv sowie das Clemens-Sels- und das Schützenmuseum noch Ausstellungsgegenstände.

Ob Altbier oder Pils – das ist heutzutage fast nur noch in hiesiger Region eine Streit- und Geschmacksfrage. Anderorts stellt sie sich nicht, weil es das Altbier gar nicht erst gibt. Dabei war das Obergärige mal das am meisten verbreitete Biergetränk – bis man im Süddeutschen Anfang des 19. Jahrhunderts Eiskeller anlegte und so auch Kühlmöglichkeiten für den Herstellungsprozess und die Lagerung von untergärigem Bier schuf. Das Pils verdrängte das Alt fast überall: "Nur in unserer Region hat sich das Altbier gehalten", sagt Carl Pause, Archäologe am Clemens-Sels-Museum, "und es erlebte im 20. Jahrhundert dann sogar eine Renaissance."

Wahrlich Grund genug also, das Fast-Alleinstellungsmerkmal der Region (in Belgien wird auch noch gerne Alt getrunken) in einer großen Aktion zu würdigen. Und so kommt das Altbier in den kommenden Monaten nicht nur ins Glas, sondern auch ins Museum. "Niederrheinische ALTernativen" nennt sich das raumgreifende Projekt, das Pause angestoßen hat und nun mit mehr als 50 Kooperationspartnern realisiert wird. Das Zentrum wird Neuss sein. Gleich vier Einrichtungen beteiligen sich mit Ausstellungen und Aktionen an dem Projekt.

"Als das Altbier noch jung war", ist eine Ausstellung im Clemens-Sels-Museum betitelt, die am 9. Juni auch Auftakt des Projekts ist, das in der Folge dann an 30 weiteren Orten stattfindet – alle Teilnehmer gehören zum Museumsnetzwerk Niederrhein. Carl Pause stellt dafür Wissenswertes zur (Brau-)Geschichte im Rheinland zusammen. Allerdings hofft er genauso wie seine Kuratoren-Kollegen Britta Spies fürs Schützenmuseum sowie Feld-Haus und Annekatrin Schaller für das Stadtarchiv auf Hilfe von Neussern. Denn was alle drei Institutionen noch suchen, sind Exponate.

Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände aus früheren Neusser Brauereien und Gaststätten, Fotos von geselligen Treffen in den Kneipen, Geschichten rund um das Altbier, die dann aufgenommen oder aufgeschrieben werden – die drei Kuratoren können fast alles gebrauchen, behalten sich allerdings auch vor, etwa den als Massenware auf den Markt gebrachten Bierkrug abzulehnen. Außerdem: "Es sollte aus den Jahren vor 1970 stammen", sagt Britta Spies, die für ihre Schau "Von Altbier, Kirmesschinken und Paspas" im Schützenmuseum etwa konkret ein Trinkhorn sucht, das noch wie einst üblich ein Deckelchen hat.

Die stellvertretende Stadtarchiv-Leiterin, Claudia Chehab, hofft für die von Annekatrin Schaller kuratierte Schau "Nobberkessel Bunter Ochse" in ihrem Haus vor allem auf Fotos mit Menschen, die in Kneipen feiern. "Wir haben in unserem Bestand viele Aufnahmen von ehemaligen Gaststätten", sagt sie, "aber von außen oder von innen nur mit der Einrichtung." Chehab, Pause und Spies versichern, dass alle Originale nach Ende der Ausstellungen wieder zurückgegeben werden.

(NGZ)