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Neuss: Gestohlenes Heiligenbild ist wieder aufgetaucht

Neuss : Gestohlenes Heiligenbild ist wieder aufgetaucht

Es ist ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die Pfarrgemeinde: "Ihr Josef" ist wieder da. Das Gemälde verschwand vor 14 Jahren aus der Dreikönigenkirche.

Gekauft hatte ihn im Sommer der Neusser Antiquitätenhändler Engelbert Pauls auf einem Trödelmarkt in Uedesheim — allerdings ohne zu wissen, wen er denn da mit in sein Geschäft an der Klarissenstraße genommen hatte.

"Das Bild von dem jungen Josef gefiel mir sofort", sagt der Händler, der vor allem sakrale Kunst in seinen Räumlichkeiten anbietet. Der Verkäufer wollte ihm für das Werk 200 Euro abnehmen. "Das war mir aber zu viel", erinnert er sich und erzählt, er sei weiter gegangen. Als er nach einiger Zeit erneut an dem Stand vorbeikam, war das Bild immer noch da. Und als ihm zusätzlich auch noch eine Brosche gefiel, schlug er dem Mann hinter dem Stand vor, beide Sachen für 100 Euro zu nehmen. Der willigte ein. Engelbert Pauls war zufrieden.
In seinem Laden stellte er es jedoch zunächst so hin, dass nur die Rückseite zu sehen war. So konnte Andreas Sieben aus der Dreikönigen-Pfarre, der oft bei Pauls vorbeischaut, auch nichts auffallen. Das war vor einigen Tagen anders. Da kam der 45-Jährige ins Geschäft und rief sofort: "Das ist doch unser Josef". Und tatsächlich, er war's. Das Original des Kölner Künstlers Peter Hecker — dessen Gemälde auch in den Kirchen St. Barbara und St. Marien zu sehen sind — hatte bis 1998 in der Taufkapelle der 1911 entstandenen Kirche gehangen.

In Auftrag gegeben hatte es Ende der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Pastor Peter Richrath (von 1945 bis 1960 in der Gemeinde), der ein Freund des Künstlers war. Auffällig an dem 60 mal 80 Zentimeter großen Gemälde ist der junge blonde und blauäugige Josef, die Hände über seinem Werkzeug, einer Axt, gefaltet. "Das gefiel mir auch besonders", sagt Pauls, der das Bild der Gemeinde nun zurückgeben möchte — und zwar als Geschenk.

Darüber freut sich besonders Oberpfarrer Monsignore Guido Assmann, der am Mittwoch gleich den Kirchenvorstand informierte, und es toll fand, dass Andreas Sieben sich direkt so sicher war. "Es ist mir doch seit Kindertagen vertraut", erklärte Sieben sein fachmännisches Auge für das Josef-Bild.

Wo es nun aufgehangen werden soll, steht noch nicht fest. Vielleicht an seinen alten Platz in der Taufkapelle, wo seit 14 Jahren noch ein Haken davon zeugt, dass dort der ausgewählte Platz war. Pauls empfiehlt auf alle Fälle, das Gemälde neu rahmen zu lassen. "Es muss unbedingt geöffnet werden. Das sollte man bei jedem Bild nach ungefähr zehn Jahren machen", sagt der Fachmann. Denn es könnte sich zum Beispiel Schimmel gebildet haben.
Mit der Rückkehr des "Heckers" hat sich auch ein Wunsch des damaligen, mittlerweile verstorbenen, Hausherrn der Kirche an der Jülicher Straße erfüllt. Denn nach dem Diebstahl hatte Monsignore Karl Franssen die Gemeindemitglieder aufgefordert, aufmerksam über die Trödelmärkte im In- und Ausland zu gehen und das Bild zurückzukaufen, wenn es entdeckt würde. Entdeckt wurde es — von Engelbert Pauls, dem es einfach gefiel, und schließlich von Andreas Sieben.