Neuss: Gericht will Schüsse auf Haltestellen klären

Neuss : Gericht will Schüsse auf Haltestellen klären

Für die Zerstörung von 45 Bushaltestellen hat die Staatsanwaltschaft einen Tatverdächtigen im Auge, der bereits ein Teilgeständnis abgelegt hat. Doch der Verdächtige hat bislang keine Aussage gemacht. Nun steht er wieder vor Gericht.

Im Fall um die Schüsse auf dutzende Neusser Bushaltestellen gibt es eine überraschende Entwicklung: Der mutmaßliche Täter ist nicht wie angekündigt bei der Polizei erschienen, um ein Geständnis abzulegen. Dennoch muss er sich ab kommenden Donnerstag vor dem Neusser Amtsgericht verantworten - dort sitzt er nämlich wegen diverser anderer Delikte auf der Anklagebank.

D er 21-Jährige hatte Anfang Mai vor Gericht angekündigt, "reinen Tisch" machen zu wollen. Der junge Mann hatte sich damals wegen einer Reihe von Brandstiftungen und Sachbeschädigungen vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Richter Heiner Cöllen hatte den jungen Mann intensiv "ins Gebet" genommen und ihn darauf angesprochen, dass es laut Kriminalpolizei Hinweise auf eine Beteiligung an der Zerstörung von insgesamt 45 Wartehäuschen auf Neusser Stadtgebiet gebe. Daraufhin hatten der Angeklagte und sein Verteidiger ein Geständnis angekündigt.

"Mein Mandant räumt ein, für einen geringen Teil der Schüsse auf die Wartehäuschen verantwortlich zu sein", sagte Rechtsanwalt Michael Heller damals. Mögliche Mittäter wollte er vor Gericht jedoch nicht benennen. Das sollte der 21-Jährige stattdessen bei der Polizei machen. Dort jedoch ist der Tatverdächtige trotz mehrfacher Aufforderung nicht erschienen. "Zwingen können wir ihn zu einer Aussage nicht", erläutert Kreispolizeisprecher Hans-Willi Arnold. Wohl aber kann Richter Heiner Cöllen Konsequenzen ziehen - er hat deshalb unverzüglich das Verfahren gegen den 21-Jährigen, der Sohn eines Rechtsanwalts ist, neu terminiert. "Der Anwalt des jungen Mannes hat Akteneinsicht beantragt, um sich über die Ermittlungen zu den Schüssen auf die Wartehäuschen zu informieren", sagt der zuständige Staatsanwalt Christoph Kumpa. Dass es am Donnerstag zu einem Geständnis kommen könne, sei aber nicht absehbar. Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Kriminalpolizei bei dem 21-Jährigen unter anderem mehrere Schusswaffen und auch Munition gefunden.

Bei der Verhandlung stehen diverse Brandstiftungen und Sachbeschädigungen im Mittelpunkt des Verfahrens. Dem 21-Jährigen wird vorgeworfen, in Reuschenberg und Selikum diverse Papiercontainer, Mülltonnen und Dixie-Toilletten in Brand gesetzt zu haben. Dabei war ein Schaden von mehreren tausend Euro entstanden. Darüber hinaus gibt es neben den Schüssen auf die Wartehäuschen noch weitere neue Vorwürfe gegen den 21jährigen. "Es geht um Drogen und Fahren unter Alkoholeinfluss", sagt Staatsanwalt Kumpa. "Zudem wird auch wegen einer weiteren Brandstiftung gegen ihn ermittelt." Die Polizei vermutet, dass der junge Neusser eine Strohmiete angezündet haben könnte.

Die Neusser Stadtwerke, die bei den zerstörten Haltestellen, die mittlerweile wieder instand gesetzt wurden, von einem Gesamtschaden in Höhe von 40 000 Euro ausgehen, beobachten den Fall genau. "Wenn ein Urteil fällt, werden wir unter Umständen auf Schadenersatz klagen", kündigt SWN-Sprecher Jürgen Scheer an. Seit der 21-Jährige ins Visier der Ermittler geraten war, seien die Sachbeschädigungen ausgeblieben. "Und das kann auch gerne so bleiben", betont Scheer.

(NGZ)
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