1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Gemeinden wählen Presbyter

Neuss : Gemeinden wählen Presbyter

An der Spitze der evangelischen Kirchengemeinde steht das Presbyterium. Überall in der Rheinischen Landeskirche wird Sonntag das Leitungsorgan gewählt. In Neuss sind 25 000 Protestanten aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, viel Zeit und Kraft zu investieren, der wird reich belohnt. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Brigitte Hintze (73), die vier Jahre als Vorsitzende des Presbyteriums in der Christus-Kirchegemeinde ehrenamtlich gewirkt hat: "Ich möchte die Zeit nicht missen, die mir viel Freude bereitet hat."

Brigitte Hintze, die 19 Jahre als Direktorin das Nelly-Sachs-Gymnasium geleitet hat, wird mit Blick auf die Altersgrenze (75 Lebensjahre) dem neuen Presbyterium nicht mehr angehören, das – wie alle Presbyterien in der Evangelischen Kirche im Rheinland – am Sonntag (5.) neu gewählt wird. Sie wünscht sich aber zum Abschied, dass möglichst viele Gläubige von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen werden: "Es geht immerhin um die Antwort auf die Frage, welche Frauen und Männer die Gemeinde in den nächsten vier Jahren leiten werden." Und in der Christus-Kirchengemeinde sei eine echte Wahl noch möglich: Für 16 Sitze bewerben sich 18 Ehrenamtliche. Hintze: "Das ist nicht überall so." Im Klartext: Oftmals ist auch in Neuss die Zahl der Kandidaten und die Zahl der zu wählenden Presbyter identisch.

Diese Problematik kennt auch Ilka Werner. Die Pfarrerin am Berufskolleg im Hammfeld ist zugleich Vorsitzende der Evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Neuss. Stadtweit sind am Sonntag rund 25 000 Protestanten aufgerufen, die Presbyterien in den vier Kirchengemeinden zu wählen. Werner hofft auf eine Wahlbeteiligung von 10 Prozent. Was sich bescheiden anhört, ist mit Blick auf den sonntäglichen Kirchgang – nur zirka drei Prozent besuchen die Gottesdienste – durchaus ambitioniert. Die Wahllokale haben bis 18 Uhr geöffnet; Briefwahl war auch möglich. Eine möglichst hohe Wahlbeteiligung stärke den Presbytern den Rücken bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit.

Vor der Arbeit schrecken offenbar viele zurück. Werner: "Es wird immer schwieriger Menschen zu finden, die diese schöne und wichtige Aufgabe wahrnehmen." Die Leitung der Gemeinde beinhalte die Verantwortung für die Bereiche Finanzen, Personal und Bauen, aber zur Leitung gehöre natürlich auch die theologische Debatte: "Darauf achten natürlich vor allem auch die Pfarrer." Sie gehören ebenfalls den Presbyterien an.

Die Presbyter-Wahl ist in Augen von Ilka Werner ein Urelement der evangelischen Kirche. Presbyterial-synodal bedeute, "Kirche baut sich von unten, von der Gemeinde her auf". Dieses Verständnis von Kirche besitze vor allem im Rheinland eine ausgeprägte Tradition: Die Leitung auf allen Ebenen – Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche – geschehe in der Gemeinschaft.

(NGZ)