Neuss: Gemälde, die Vereinsgeschichte erzählen

Neuss: Gemälde, die Vereinsgeschichte erzählen

Ivan Petak und Christoph Rehlinghaus sprechen über ihre Werke: Gründer der Schötzejeselle, Präsidenten der Bürgergesellschaft.

Zehn Porträtfotos, schwarz-weiß, gleichgroß, schlicht gerahmt. Sie zeigen die zehn Präsidenten, die von der Gründung 1861 bis 2009 an der Spitze der Neusser Bürgergesellschaft standen. Ihr amtierender Nachfolger Johann-Andreas Werhahn ahnt natürlich, wo er am Ende seiner Amtszeit einmal einen Ehrenplatz finden wird: als elfter Präsident, schwarz-weiß, in der Runde seiner zehn Vorgänger an der Wand im Clubraum des Gesellschaftshauses der Bürgergesellschaft an der Mühlenstraße in Neuss.

Kommentarlos mochte sich Werhahn jedoch offenbar nicht einreihen. So beauftragte er den Neusser Kunstmaler Christoph Rehlinghaus, die Gesetze der Zeit aufzuheben und seine zehn Vorgänger in einem Bild zu vereinen. Das Werk hängt heute im Saal der "Bürger" und erzählt dem Betrachter ein Stück Gesellschafts- und Neusser Stadtgeschichte. Denn Rehlinghaus hat seine Arbeit vielschichtig komponiert. Er stellt nicht nur Hermann Wilhelm Thywissen, der 50 Jahre Präsident der Bürgergesellschaft war, in den Mittelpunkt der Männerrunde, sondern er fügte auch Motive aus der Stadtgeschichte hinzu - vom Mühlstein als Symbol für die Öl- und Mehlmühlen-Industrie in der Stadt bis hin zur Jakobus-Skulptur.

Wer mag, der kann den Versuch unternehmen, jedem Präsidenten ein Stadtmotiv zu zu ordnen. Das ist nicht einfach, vielleicht auch gewollt nichts zweifelsfrei. Einigkeit wird aber in einem Fall schnell herrschen: "Jakobus" gehört zu Hermann-Josef Kallen (2. v. l.), der als Oberschützenmeister der Scheibenschützen dafür sorgte, dass Bert Gerresheim das Kunstwerk schuf, das heute auf dem Freithof steht.

  • Neuss : Ausstellung mit Darstellungen zum Thema Quirinus

Künstler Christoph Rehlinghaus und Initiator Johann-Andreas Werhahn sprachen jetzt über ihr gemeinsames Projekt. Den Rahmen bildete der Abschluss zur Ausstellung "Sammlung Quirinus", die drei Monate im Gesellschaftshaus der Bürgergesellschaft zu sehen war und die vor allem Werke umfasst, die den Neusser Heiligen oder dessen Kirche zeigen. Diese Schau, die von Kunsthistorikerin Mareile von der Fecht aus Büttgen kuratiert worden war, überraschte mit einem Gemälde, das einem "Gruppenbild mit Dame" gleicht. Es entstand knapp 30 Jahren vor Rehlinghaus' Präsidenten-Runde, es erzählt von der Gründung der St. Quirinus' Schötzejeselle im August 1983. Damals saßen dreizehn Männer und eine Frau, Marlene Spira, zusammen. Im Zentrum geben mit dem Initiator und späteren Gründungsbaas Bert Pütz (mit grauem Bart) sowie Versammlungsleiter Peter Hommers die beiden führenden Köpfe die Richtung vor. Auch dieses Bild erzählt ein Stück Neusser Geschichte. Im Hintergrund ist ein Gemälde im Gemälde zu sehen, das die Quirinuskirche zum Motiv hat. Das Originalbild ist verschollen. Nach alten Fotos hat es der Neusser Ivan Petak nachempfunden und gemeinsam mit den Schötzejeselle der Stadt Neuss geschenkt. Es hängt heute im Romaneum an der Brückstraße.

Im Auftrag von Friedrich W. Bootz, langjähriger Fiskus der Gesellschaft, hat Ivan Petak die Gründerrunde Mitte der 1980er Jahre geschaffen und damit sogar ein kleines Selbstbildnis vorgelegt. Petak gehört selbst zu den Gründern. Er sitzt mit mächtigem schwarzen Bart weit links; rechts neben ihn der Auftraggeber Bootz. Auch Petak und Bootz berichteten jetzt in der "Bürger" über ihr gemeinsames Projekt.

(-lue)