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Neuss: Geheimagenten waren in der Stadt - aber wo?

Neuss : Geheimagenten waren in der Stadt - aber wo?

Deutsche und amerikanische Geheimdienste sollen unter dem Namen "Projekt 6" gemeinsam von Neuss aus operiert haben. Aber wo hatten sie ihr Hauptquartier? Eine nicht ganz ernst gemeinte Spurensuche.

Rathaus-Sprecher Michael Kloppenburg sucht. Geheimdienstpublizist Markus Kompa aus Münster auch. Kollektives Suchen wird zum Volkssport im Schatten von St. Quirin. In jedem Neusser scheint derzeit ein kleiner James Bond zu stecken. Vermutlich wird in den Cafés rund um den Markt längst des Agenten ihrer Majestät liebstes Getränk geordert: "Wodka Martini — geschüttelt, nicht gerührt." Für den Neusser Marketing-Chef Peter Rebig bieten sich neue Slogans an. Aus "Food City" wird die "Stadt der Spione". Das muss doch die Neugierigen und die Touristen anlocken.

Presseberichte lenkten vor zwei Wochen das Licht der Öffentlichkeit auf die verborgenen Agentenaktivitäten in Neuss. Meldungen besagen, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) und der US-Geheimdienst CIA ab 2005 gemeinsam die Datenbank "PX" zur Terrorabwehr aufbauten. Das "Projekt 6" habe bis 2010 seine Zentrale in Neuss gehabt. Seither treibt die Neusser (und nicht nur die) die Frage um: Wo hatten die Spione in der Stadt ihr Hauptquartier aufgeschlagen? Die Chefs, die ansonsten immer auf Ballhöhe sind, geben vor, nichts zu wissen. Der Bürgermeister zuckt mit den Achseln. Der Landrat auch — und der ist sogar Polizeichef. Da aber Nichtwissen freudlos ist, suchen alle auf eigene Faust das Neusser Agentennest.

Ein Schlapphut soll jüngst in der Stadt gesehen worden sein. Es heißt, er sei von einem Unbekannten getragen worden. Das wiederum überrascht nicht, wenn Geheimagenten die Hauptrolle spielen. Unter dem Hut könnte aber auch Markus Kompa gesteckt haben. Der 40 Jahre alte Rechtsanwalt aus Münster, Bundestags-Listenkandidat der Piraten, bot via Internet augenzwinkernd am Tag des Merkel-Besuchs in Neuss eine Exkursion auf den "Spuren der CIA" an. Beginnen wolle er auf dem Markt mit Blick auf die Sparkasse. Aus gutem Grund.

Bereits im Sommer war gemeldet geworden, die Agenten hätten in einem "schmucklosen Gebäude" der Sparkasse residiert. Sprecher des Instituts hatten wiederholt erklärt, keine Kenntnisse über Agenten in ihren Immobilien zu haben. Eine Verwechslung liege nahe, da die Sparkasse keine schmucklosen Gebäude besitze — es sei denn, es sei eine Immobilie gemeint, die vor der Berufung von Sparkassen-Chef Michael Schmuck genutzt wurde, also zu einem Zeitpunkt als alle Sparkassen-Gebäude ohne Zweifel noch "schmucklos" waren.

Die Zentrale von "Projekt 6" soll sich in der Innenstadt befunden haben. Das Hammfeld zählen Neusser nicht zur Innenstadt. Schade, denn das Gewerbegebiet mit großen Bürogebäuden eignet sich vortrefflich für Spekulationen. Wer aber von Amerika via eines Spionage-Satelliten aufs kleine Neuss schaut, mag der Eindruck gewinnen, Hammfeld und Innenstadt seien eins. Im Hammfeld liegen jedenfalls leitungsstarke und schnelle Leitungsnetze. Dort gewähren mächtige Bürohäuser die von Agenten so geliebte Anonymität — sie reisen über die Autobahn grußlos an und namenlos wieder ab. Das Landeskriminalamt (LKA) zeigte offiziell seine Liebe zum Standort und mietete dort Etagen an. Die Telekom hat an der Hellersbergstraße ein kräftiges Standbein und auch der kleine Telefonanbieter Isis (heute Vodafone) wusste die Infrastruktur zu schätzen. Im Swissôtel-Komplex richtete Isis einen Technikstation ein. Den Raum, verborgen jenseits der Wäscherei, gibt's noch. Ungenutzt. Leer. Nicht einmal ein Schlapphut liegt auf dem Boden. Die Suche geht weiter.

(NGZ)