Neuss: Geerlings: "Ich liebe lebendige Diskussionen"

Neuss : Geerlings: "Ich liebe lebendige Diskussionen"

Der Neusser CDU-Vorsitzende Jörg Geerlings spricht im Interview über seine Erwartungen vor dem Wahlparteitag am 28. März, sein Verhältnis zu Bürgermeister Napp und äußert sich zum schwelenden Konflikt um den Fraktions-Chef Baum.

Herr Geerlings, Sie wollen sich am 28. März von der Mitgliederversammlung als Vorsitzender der Neusser CDU im Amt bestätigen lassen. Schauen Sie nervös auf Ihren Wahltermin?

Jörg Geerlings Warum sollte ich nervös sein? Spannung gehört natürlich dazu, aber wir haben zwei Jahre gute Arbeit geleistet, Aufstellungsveranstaltungen, Europa-, Kommunal-, Bundestags- und Landtagswahl, so dass ich eine überzeugende Bilanz vorlegen kann. Wenn man zur Wahl steht, sind damit auch immer Emotionen verbunden. Darum: Ich bin zwar angespannt, wie man es vor wichtigen Terminen sein sollte, aber nicht nervös.

Die CDU hat bei der Kommunalwahl 2009 in Stadt und Kreis die allein gestaltende Mehrheit verloren. Im Landtag sitzen Sie jetzt auf der Oppositionsbank. Sehen so Erfolge aus?

Geerlings Wir haben bei den Kommunalwahlen Federn gelassen, aber wir haben die Wahl immer noch klar und mit Abstand gewonnen. Mit der FDP haben wir zudem schnell einen Partner gefunden, mit dem wir eine bürgerliche Mehrheit bilden, die handlungsfähig ist und gute Politik macht. Bei der Landtagswahl hat die CDU alle drei Wahlkreise im Rhein-Kreis direkt gewonnen. Wir sind in Stadt und Kreis die politische Nummer Eins.

Der Riss zwischen dem CDU-Bürgermeister Herbert Napp und der CDU-Fraktion ist unüberhörbar. Fürchten Sie nicht, dass das Verhältnis von den CDU-Mitgliedern thematisiert wird?

Geerlings Die CDU-Mitglieder erwarten, dass ihr Führungspersonal im Sinne der CDU handelt. Wenn in diesen bewegten Zeiten die Mitglieder diskutieren wollen, dann ist das ihr gutes Recht. Wo sollen sie denn diskutieren, wenn nicht auf einem Parteitag? Davor habe ich keine Angst, im Gegenteil: Ich freue mich über eine lebendige Diskussionskultur in unserer Partei. Das finde ich gut. Schließlich bringen auch kontroverse Diskussionen oft Verbesserungen mit sich.

Wird Bürgermeister Napp sich dieser Diskussion stellen?

Geerlings Er ist sehr frühzeitig von mir zu einem Grußwort eingeladen worden, hatte aber eben so lange schon einen feststehenden Termin. Wenn es doch spontan klappt, freue ich mich natürlich.

Der Konflikt um den Fraktionsvorsitzenden Karl Heinz Baum schwelt weiter. Kann dieser Schwebezustand die Vorstandswahl belasten?

Geerlings Die Partei wünscht sich Geschlossenheit. Darum muss am Ende der Diskussion die Entscheidung stehen, die alle mittragen. Es gab deutliche Kritik an Karl Heinz Baum. Als Fraktion werden wir aber in Kürze die geäußerte Kritik aufarbeiten. Das ist eine Aufgabe, die uns alle angeht und die nicht nur den Vorsitzenden betrifft.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Bürgermeister Napp bezeichnen?

Geerlings Freundschaftlich-kritisch. Herbert Napp hat seine eigenen Vorstellungen. Die habe ich auch. Das ist richtig und für Neuss wichtig. Konflikte tragen wir konstruktiv, manchmal intensiv, aber jedenfalls regelmäßig intern aus.

Bei der Zusammenarbeit der Stadt Neuss mit dem Rhein-Kreis knirscht es weiterhin gewaltig ...

Geerlings Wir gehen in vielen Feldern kooperativ und konstruktiv miteinander um. Kreis und Stadt arbeiten erfolgreich. Die unterschiedlichen Interessen liegen oft in der Natur der Sache. So hätten wir uns, wie alle acht kreisangehörigen Kommunen, natürlich mehr Entgegenkommen des Rhein-Kreises bei der Kreisumlage gewünscht.

Es ist nicht nur der Streit ums Geld. Die Stadt Neuss lehnt die Bewerbung des Kreises, Optionskommunen zu werden, strikt ab.

Geerlings Die Neusser Stadtverwaltung fürchtet, dass es bei der Betreuung der Langzeitarbeitslosen nicht zu den erhofften Spareffekten kommt. Ich persönlich sehe im Optionsmodell aber auch sehr große Chancen, z.B. vor Ort näher am Menschen, ganz im christlichen Sinne, zu arbeiten. Ich bin gespannt, ob der Rhein-Kreis Neuss Erfolg mit seiner Bewerbung hat.

Nach sechs Jahren kandidiert Schatzmeister Christian Paul Thywissen nicht mehr. Welchen Bewerber werden Sie der Versammlung vorschlagen?

Geerlings Jakob Beyen, der bereits Beisitzer im Vorstand ist. Herr Beyen ist aus vielfältigen Tätigkeiten im Ehrenamt bekannt. Als ehemaliger Banker bringt er beste Voraussetzungen für das Amt des Schatzmeisters mit.

Mit Hermann Gröhe macht ein Neusser als CDU-Generalsekretär in der Bundespolitik Karriere. Was hat der Stadtverband Neuss vom Aufstieg seines Mitgliedes Gröhe?

Geerlings Hermann Gröhe ist ein Glücksfall für die Neusser und die CDU – im Bund, im Rhein-Kreis und in der Stadt Neuss. Er genießt hohes Ansehen als „General“ der Bundespartei, bleibt dabei aber immer bodenständig. Ich freue mich, dass er dabei den Neusser Bürgerinnen und Bürgern, aber auch seiner Partei, immer sehr nahe ist. Im Umkehrschluss verfügt die Neusser CDU über beste Drähte nach Berlin. Das ist ein klarer Vorteil.

Ludger Baten führte das Gespräch.

(NGZ)