Neuss: Geerlings gibt CDU-Vorsitz nach zwölf Jahren auf

Neuss: Geerlings gibt CDU-Vorsitz nach zwölf Jahren auf

Lange wurde spekuliert, ob er Chef der Neusser CDU bleibt. Jetzt hat sich Jörg Geerlings erklärt: Er hört nach zwölf Jahren auf. Die Christdemokraten wählen am 20. März einen Nachfolger. Jürgen Braut- meier und Sebastian Rosen treten dann an.

Zwei Jahre vor der Kommunalwahl 2020 muss die Neusser CDU einen neuen Vorsitzenden suchen. Jörg Geerlings (45), seit zwölf Jahren ihr Anführer, steht für eine siebte Amtszeit nicht zur Verfügung. Seine Entscheidung teilte er am späten Montagabend dem Parteivorstand mit. Damit beendete der Landtagsabgeordnete Spekulationen, die sich seit Wochen um die Frage drehten: Macht Geerlings als CDU-Chef in Neuss weiter oder nicht? Nun ist klar: Er macht nicht weiter. "Das ist ein fairer Zeitpunkt", sagt der Noch-Vorsitzende, "in zwei Jahren wird der Wahlkampf auf Hochtouren laufen. Da wäre ein Wechsel schwieriger." Er übergebe ein geordnetes Haus, sein Nachfolger könne in Ruhe einen Bürgermeister-Kandidaten suchen und ein Bewerber-Team für die Ratswahl zusammenstellen und er bleibe ja der Neusser CDU erhalten: "Ich kann mir vorstellen, auch im neuen Vorstand mitzuarbeiten. Vielleicht als Beisitzer." Langweilig werde es für ihn nicht werden: "Mein Landtagsmandat füllt mich aus."

Die knapp 1400 Neusser Christdemokraten sind aufgerufen, am 20. März einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Es zeichnet sich wie schon vor zwei Jahren eine Kampfabstimmung ab. Damals hatte sich Geerlings knapp gegen seinen Herausforderer Michael Werhahn behauptet. Noch in der Vorstandssitzung meldete Jürgen Brautmeier (63) seine Kandidatur an. Er gehört dem Führungszirkel, so Geerlings, als kooptiertes Mitglied an, das erfolgreich 2017 die Wahlkämpfe zum Landtag und zum Bundestag geleitet hat. Brautmeier, der in Uedesheim wohnt, ist einer breiten Öffentlichkeit als Leiter der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen bekannt; ein Amt, das er von 2010 bis 2016 inne hatte.

Die Bewerbung Brautmeiers wird bereits in einer von der CDU verbreiteten Pressemitteilung angekündigt. Noch nicht genannt wird Sebastian Rosen (43). Der Ratsherr, der seine Kandidatur für den Fall in Aussicht gestellt hatte, dass Geerlings nicht erneut antritt, wird sich am 20. März ebenfalls zur Wahl stellen. Das bestätigte er gestern auf Anfrage der NGZ-Redaktion. Er sieht sich als jüngere Alternative: "Die SPD hat einen 30 Jahre alten Vorsitzenden und wir kommen mit einem 63-Jährigen daher?" Dass er weder zur Vorstandssitzung eingeladen wurde, noch in der Pressemitteilung erwähnt wird, erbost Rosen: "Das ist unfair. Da wird versucht, Fakten zu schaffen, obwohl bekannt ist, dass ich kandidiere, wenn Jörg Geerlings aufhört und ein neuer Vorsitzender gewählt werden muss." Seine Bereitschaft habe er auch bereits vor Wochen dem Vorsitzenden mitgeteilt.

Kandidat Jürgen Brautmeier (63) leitete 2017 die Wahlkämpfe zum Landtag und Bundestag. Foto: Woitschützke Andreas
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Er habe viel Zuspruch von der Parteibasis erhalten, sich um den Vorsitz zu bewerben. "Meine Chancen sind intakt." In der Vorsitzendenwahl sehe er keine Vorentscheidung für die CDU-interne Kandidatenaufstellung zur Bürgermeister-Wahl: "Das sind zwei unterschiedliche Aufgaben." Er stehe seiner Partei als Bewerber für das Bürgermeister-Amt zur Verfügung: "Ich habe keine Angst vor demokratischen Entscheidungen."

In diesem Punkt ist er sich mit Jürgen Brautmeier einig, der Parteiarbeit "vom Kopf auf die Füße stellen" möchte. Viel zu lange sei "Politik von oben verkündet" worden. Es sei an der Zeit, dass Politiker den Bürgern und den Mitgliedern an der Parteibasis zuhören: "Es geht um die Art, wie Politiker mit den Themen und den Menschen umgehen." Diese Öffnung gelinge, so Brautmeier, am besten auf kommunaler Ebene.

Kandidat Sebastian Rosen (43) sitzt seit 1999 für die CDU im Stadtrat. Foto: Woi

Eine spannende Entscheidung erwartet Dieter W. Welsink, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Brautmeier sei ein Kommunikationsprofi, eine integere Persönlichkeit, die die Bürger erreiche. Rosen vermöge es, Stimmungen zu erzeugen und in der Partei zu mobilisieren. Derweil beobachtet Sascha Karbowiak (30), der neue SPD-Chef, die Chefsuche gelassen: "Aus den Personalangelegenheiten der CDU halte ich mich heraus, ich kämpfe für eine möglichst starke SPD - da ist es mir egal, ob der Vorsitzende Geerlings, Brautmeier oder Rosen heißt." Ludger Baten

(NGZ)